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Nahalat tsevi · 1933-05-01 · Heft 8-9 (Mai 1933) · p. Seite 260

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 8-9 (Mai 1933)
Date
1933-05-01
Page
Seite 260 (sequence 28)
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260 in der Bibel gibt, denn damit ist der Grundgedanke des liberalenSystemsdasLaissezfaire, im vor hinein abgelehnt. Daß man überhaupt keine Ordnung der Wirtschaft brauche, daß man die einzelnen Glieder der Volkswirtschaft frei schalten und walten lassen solle, daß allein das freie Spiel der Kräfte ״das größte Glück der größten Zahl“ garantiere, daß die ökonomischen Interessen hur scheinbar entgegengesetzt seien und aller Streit sich in Harmonie auflöse, wenn er nur frei, durch fremde Einflüsse ungehemmt, ausgetragen werde, ist offenbar nicht der Standpunkt der Thora. Freilich, der Gedanke der ökonomischen Harmonie findet sich schon im talmudischen Schrifttum angedeutet (Berachot 58a), aber es wird aus ihm nicht gefolgert, daß eine Regulierung der Wirtschaft durch Gesetz oder obrigkeitlichen Eingriff, oder irgendeine Be- Schränkung der individuellen wirtschaftlichen Freiheit schädlich und unstatthaft sei. Selbst wenn gewisse Normen und Schranken anerkannt werden, bleibt es Wunder genug, wie in der arbeitsteiligen Gesellschaft die neben- und gegeneinander arbeitenden Einzelbetriebe ohne Plan und Lenkung sich zum Ganzen der!Volkswirtschaft verbinden! Es jgibt freilich zur Zeit nur wenige, die den Grundsatz des Laissez faire noch in Seiner klassischen Form vertreten. Tagtäglieh erleben wir Eingriffe des Staates in die Arbeitsverhältnisse, in das Kreditwesen, in den Handel und in steigendem Maße auch in die Produktion. Aber diese Eingriffe entsprechen nicht dem Wesen des Kapitalismus, sie bedeuten einen Bruch mit den ihm eigentümlichen Prinzipien und bahnen eine Umformung des Kapitalismus an zu einem Gebilde, das vielleicht mit besserem Rechte als ein soziales System bezeichnet werden kann. Also allein der Umstand, daß es eine umfassende und systematisch geschlossene Ordnung wirtschaftlicher Verhältnisse in der Thora gibt, zeigt den Abstand zum Kapitalismus. Deutlieher noch wird der Gegensatz, wenn wir nunmehr untersuchen, welche Rolle die verschiedenen Prinzipien, die in der biblischen Ordnung hervortreten, in der kapitalistischen Wirtschaft spielen. Als das oberste Prinzip der biblischen Ordnung haben wir das theokratische kennen gelernt. Es liegt in der Natur der Sache, daß der Kapitalismus, dessen Wesensmerkmal eben das Fehlen einer umfassenden Ordnung wirtschaftlicher Dinge ist, kein irgendwie geartetes Verhältnis zu Gott hat, von der etwas mystischen Vorstellung der ökonomischen

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