Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 8-9 (Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 248 (sequence 16)
- Belongs to
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246 Inzwischen aber sieht es so aus, als ab unsere Verdrängung aus dem politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Wesen der Nation uns allmählich die Lebensmöglichkeit auf deutschem Boden bis zu einem Grade erschwert, der uns nicht einmal mehr befähigt, unsere — eigene Geschichte in Deutschland fortzusetzen. Was soll aus Deutschlands Juden werden? Nicht die Nachricht von Ausschreitungen gegen die deutsehen Juden, sondern diese Generalfrage ist es, mit furchtbarer Plötzlichkeit und Eindringlichkeit aufgetaucht, die das Ausland beschäftigt und, ohne Antwort gelassen, der deutschfeindlichen Propaganda im Ausland einen Auftrieb verleiht, der Deutschlands Interessen aufe schwerste schädigt. Auf diese Frage m!uß es eine Antwort geben. Wie immer sie lauten mag: Klarheit ist der Ungewißheit vorzuziehen. Das Preußische Staatsministerium hat am 15 Mai 1933 das ״Bäuerliche Erbhofrecht“ beschlossen. § 2 dieses Gesetzes lautet wie folgt: ״Einen Erbhof kann als Bauer nur besitzen, wer deutscher Staatsbürger und deutschen oder stammesgleichen Blutes ist. Deutschen oder stammesgleichen Blutes ist nicht, wer unter seinen!Vorfahren im Mannesstamm oder wer unter seinen übrigen Vorfahren bis ins zweite Glied eine Person jüdischer oder farbiger Herkunft hat. Eine in Zukunft erfolgende Eheschließung mit einer derartigen Person macht die Nachkommen dauernd unfähig, als Besitzer eines Erbhofs Bauer zu sein.“ Ist dies die letzte Klarheit? Soll in Zukunft der deutsche Jude eine derartige Person sein, die nur noch Personen farbiger Herkunft gleichzusetzen ist? Dann ist in Deutschland für die deutschen Juden kein Raum mehr. Ohne Würde können Deutschlands Juden nicht leben. Die deutsch-jüdische Orthodoxie im besonderen weint wahrhaftig den verflossenen jüdischen Ministerialräten und Abgeodneten keine Träne nach. Sie hat immer gewußt, daß der Weg, den der Großteil der deutschen Juden seit Ausbruch der Reform genommen hat, ein Irrweg war. Ihr Ehrgeiz war es niemals, die Wonne der Emanzipation bis zur Neige zu kosten. Gar manche, von Autoren jüdischer Abstammung herrührende literarische Erscheinung hat sie aufs tiefste verletzt. Den jü-