Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 8-9 (Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 247 (sequence 15)
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247 lither Schwesternationen, alle in Sonderart geeint durch die Anerkennung des Königtums Gottes, mit unzerstörbarer Zu* versieht herbeisehnt. Es war nicht die Neigung unserer Seele, daß wir den Weg über den Erdkreis nahmen. .Wir hatten kein Verlangen nach den Völkern, und die Völker kein Verlangen nach uns. Der Qott der Geschichte hat es über uns verhängt, bei den anderen Völkern durch lange Jahrhunderte als Gast zu wohnen: daß wir uns (selber, losgelöst von jeder natürlichen Stütze, ganz und gar;mit jenen beiden Ideen vermählten, von denen unsere und der ganzen Menschheit Zukunft abhängt; und daß die Völker allmählich lernten, das Gott ähnliche Menschenantlitz auch an einem Volke zu achten, dem keine politisch-irdische Macht innewohnt. So sind wir denn, vor vielen, vielen Jahrhunderten, auch auf deutschen Boden gekommen. •׳ Wir haben ihn lieben gelernt, diesen deutschen Boden. Er trägt die Grläber unserer Ahnen, vieler großer und heiliger Männer und Frauen :unseres Volkes. Wir haben sie lieben־ gelernt, die deutsche Sonne. Sie hat, in all den Jahrhunderten, unsere Kinder reifen lassen und ihrer jüdischen Art manch gute besondere Note beigefügt. Wir haben es lieben gelernt, das deutsche Volk. Es hat uns, zumal im Mittelalter, zuweilen weh getan. Aber es ging immer besser. Wir traten zu einer Kultur in Beziehung, und deutsches Denken und deutsche Kunst blieb uns kein Geheimnis. Nun dauert es, iso scheint’s, dem deutschen Volk zu lang. Einigermaßen umsonst hat es uns dies — das darf man wohl sagen — zu verstehen gegeben. Es ist wahr: es hat uns seinerzeit nicht eingeladen, zu kommen. Und es ist abermals wahr: wir sind reichlich ausdauernde Gäste. Aber schließlich sind wir doch nicht ganz freiwillig gekommen. Und schließlich und endlich: können wirklich einfach fortgehen? freiwillig gekommen. Und schließlich und endlich: können wir wirklich einfach fortgehen? Kein einziges Land ,hat uns bis ׳jetzt eingeladen. Kein einziges Land ist bereit, uns Unterkunft und menschenwürdige Existenz zu garantieren. Nirgends wartet man auf uns. Auch Palästina vermag zur Zeit nur den geringsten Teil von uns aufzunehmen. Und könnte Deutschland es heute vertragen, daß, wenn wir schon alle fortgingen, wir auch alle zum Neuaufbau unserer Existenz erforderlichen Mittel — mitnähmen?