Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 8-9 (Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 245 (sequence 13)
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149 im Judentum turmhoch über alles Rassige und Nationale die Idee des Religiösen steht. Es würde einer Verleugnung dieser Idee sehr nahekommen, wenn man den Gedanken der jüdischnationalen Curie aufnehmen und annehmen würde. Wir betonen, daß für diese Anschauung nicht etwa bloß die augenblicklichen Umstände maßgebend sind, aus denen heraus der Gedanke geboren wurde, sondern daß unsere Stellungnahme tatsächlich eine Antwort der Ewigkeit auf eine Frage des Augenblicke bedeutet. P.K. Zum deutschen Judenproblem. Von Dr. Isaac Breuer. Als die Judenemanzipation in Deutschland sich vollzog, glaubten viele deutsche Juden, glaubten namentlich die liberalen unter ihnen, die dieser Emanzipation zuliebe der Thora die Treue gebrochen hatten, daß für sie die Geschichte des jüdischen Volkes, die mit der Zerstörung des jüdischen Staates keineswegs zum Abschluß gekommen war, nunmehr endgiÜtig vorüber sei, daß sie, ganz mit der Geschichte des deutschen Volkes verwoben, seine politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen zu teilen haben würden, und daß das deutsche Judentum höchstens noch dem Religionshistoriker Interesse werde abnötigen können. Den Wetterzeichen des nie ganz verstummten, in den Jahren nach dem großen Krieg aber immer lauter tönenden arischen Antisemitismus und des knapp zwei Jahrzehnte vor dem Krieg aufgekommenen, durch die Balfour- Deklaration auf die Tribüne der Weltgeschichte geführten jüdisehen Semitismus, genannt Zionismus, schenkten sie zwar wachsende Beachtung: eine wirklich ernstliche Antastung oder Einschränkung ihrer staatsbürgerlichen Rechte, zumal auf dem Wege der Gesetzgebung, hielten sie jedoch für aulgeschlossen. Aus diesem Traum sind die deutschen Juden ungemein schmerzlich geweckt worden. Mit der Plötzlichkeit einer eiementaren Naturkatastrophe schleuderte sie die nationale Revolution aus der deutschen Geschichte heraus und lud ihnen ihr Judesein als politisches, wirtschaftliches und kulturelles Sonderschicksal auf. Was die deutschen Juden heute in Deutsch-: land erleben, das ist jüdische Geschichte im eminentesten Sinne des Wortes. Es ist geradezu der tiefste Sinn dieses Erlebens: