Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 8-9 (Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- Seite 238 (sequence 6)
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238 zum ersten Mal in den Mund genommen hat, der hat damit nicht nur den biblischen Opfergottesdienst auf die Stufe kannibalischer Roheit und Verworfenheit herabgedrüekt, der hat damit auch der Schechita selbst vor den Augen der ganzen jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit den ersten Stoß versetzt, der h a t s c h on vor hundert Jahren jene Stimmung vorbereitet, aus der heraus das bayrische Schächtverbot vom 1. Oktober 1930 psychologisch erklärlich wird! Mit so schwerem Herzen wie heute habe ich noch an; keinem Kol-Nidre-Abend diese Kanzel betreten. Wer könnte es einem Rabbiner verdenken, wenn er an diesem Kol-Nidre-Abend seinem gepreßten Herzen durch ■heftige Anklagen gegen die Urheber des Schächtverbotes Erleichterung verschaffen würde? Allein der Zweck des Versöhnungstages ist es nicht, mit unseren Gegnern abzurechnen. Am Jaum Kippur sollen wir m i t uns s elber abr echn en. שאין אנחנו עזי פנים וקשי ערף לומר לפניך ה׳ אלקינו ואלקי אבותינו צדיקים אנחנו ולא חטאנו אבל אנחנו חטאנו So eigensinnig und selbstgerecht dürfen!wir am Jaum Kippur nicht sein, um vor Gottes Angesicht zu sprechen, wir haben das Unsrige getan, um dieses verhängnisvolle Gesetz von uns abzuwenden, wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir zugeben: So gewiß wir das bayrische Schächtverbot dem Antisemitismus zu verdanken haben — nebenher ist in diesem Schächtverbot auch eine Saat aufgegangen, die wir leider selber ausgestreut haben. Ich denke hier nicht nur an jene große Abfallsbewegung von den jüdischen Ritüalgesetzen, die vor einem Jahrhundert einsetzte Und die unseren Feinden die Möglichkeit bot, sich bei ihrem Vorstoß gegen die Schechita eine moralische Rückendeckung zu Verschaffen und immer wieder zu betonen, die meisten Juden setzen sich1 ja doch über das Ritualgesetz hinweg, es ist nur ein Häuflein orthodoxer Juden, die mit urtbegreiflicheni Starrsinn an einer veralteten Schlachtmethode festhalten. So bedauerlich das ist, so ist doch noch ,viel bedauerlieher jene verhängnisvolle Kurzsichtigkeit, mit der man auf jüdischer Seite in dieser Sache von Anbeginn vorgegangen ist. Ach, was!sind wir doch für schlechte Politiker und Psychologen, daß wir nicht rechtzeitig eingesehen haben, wie verhängnisvoll es war, daß man sich auf jüdischer Seite von vornherein auf eine ernsthafte Diskussion■der ganzen Betäubungsf rage überhaupt eingelassen hat. Da-