Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 8-9 (Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Belongs to
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Zum Schächtverbot. Von Rabbiner Dr. Raphael Breuer s. A. Am Rüsttag des letzten Jaum Kippur waren es zwei Jahre, dass das bayrische Schächtverbot in Kraft trat (1. Okt. 1930). Die folgenden Ausführungen sind der Kol-Nidre-Predigt, die der verewigte Autor am Abend desselben Tages hielt, entnommen. Sie können heute angesichts der Sachlage in Deutschland grössere Aktualität denn je beanspruchen. Die Schriftleitung. שמע תפלה עדיך כל בשר יבאו Mit unserem Gebete nähern wir uns heute Gott. Unser Jaum-Kippur-Gottesdienst ist im wesentliehen Wortgottesdienst. Im Mittelpunkt alles!dessen, was am Jaum Kippur getan und unterlassen wird, steht das Gebet. Das war einmal anders. Zur Zeit des Tempels stand im Mittelpunkt des Jaum-Kippur-Gottesdienstes nicht das Wort, sondern die Tat, nicht die תפלה sondern die עבודה, nicht das Gebet sondern das Opfer, nicht die verhauchende Reg־ung und Bewegung der Lippen sondern das sinnfällige Symbol, in welchem sich die Sehnsucht des Herzens nach der Gottesnähe durch einprägsame, affektbetonte Handlung restlos erfüllen konnte. Ein schwacher Nachklang dessen, was einst am Jaum Kippur im Tempel zu Jerusalem geschah, dringt noch heute um die Mittagsstunde des Versöhnungstages an unser Ohr. Wer vermöchte die heilige Symbolhandlung, die einst im Mittelpunkte des Jaum-Kippur-Gottesdienstes stand, heute in ihrer ganzen Tiefe wiederzugeben? Nur ahnen können wir den Ungeheuren Eindruck jener großen Jaum-Kippur-Predigt, die der Hohepriester nicht mit Worten, sondern mit den Handlungen der עבודה zu halten hätte. Und doch, wir wären unehrlich, wenn wir leugnen wollten, daß all!das, was uns da von den heiligen Opferhandlungen des Hohenpriesters am Versöhnungstage berichtet wird, uns innerlich fremd geworden ist. Sagen wir es nur offen heraus: Daß ein Gottesdienst, in dessen Mittelpunkt — um das berühmte Schlagwort zu gebrauchen — ein ״blutiger Opferkultus“ steht, einmal ein ganzes Volk von Andächtigen in einen Zustand der religiösen Ekstase versetzen konnte, so daß sie alle int Augenblick, als dieser Opferkult seinen Höhepunkt erreichte und (der Hohepriester bei seinem' Opfertiere stehend das Sünden-