Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 230 (sequence 62)
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230 Bernheim: Konnte ich das? Vertrug sich das mit meinem Amt? Alfred: Den Irrenden in die Irre zu folgen, verpflichteten Sie sich von amtswegen den — Todfeinden des Thorastaats. Gingen Sie da nicht zu weit? War es nicht doch auch die — eigene Verzagtheit, mangelndes Vertrauen in die Eigenkraft der Metageschichte? War es nicht auch die Lockung der Zahl, der Macht, des Einflusses, der ganzen — Irdischkeit des Geschichtslebens der Völker? War es nicht auch der — seelenmatte Versuch, Metageschichte und Geschichte zu verknüpfen, dem großen Wagnis der Metageschichte die Rückversicherung der Geschichte zu erwirken? War es nicht auch das? Bernhedm: ׳Bewußt — glaube ich — nicht. Das — Leben war’s, das lockte. Das Leben mit all seiner Zwiespältigkeit, das wimmelnde Getriebe der Menschen, der Genuß der Auseinandersetzung, die Freude der Eroberung, das hinreißende Gefühl, sich selbst immer von neuem zu überzeugen, indem man den — anderen überzeugt. Mir war es — glaube ich — zu eng in der unabhängigen Orthodoxie. Sie kennen sie noch nicht. Alfred: Zu ieng? Im Zeitalter des zum Problem gewordenen Gemeinschaftslebens zu eng? Sie sagten es schon vorhin, und ich begreife es nicht. Wie würde Samson Raphael Hirsch erst heute sprechen, wenn er bereits vor Jahrzehnten sprach! Wie ist ׳es zu erklären, daß im Zeitalter des zum Problem gewordenen Gemeinschaftslebens, da die unabhängige Orthodoxie, wie nie zuvor, ihren metageschichtlichen, ihren geschichtsrevolutionären Charakter zu offenbaren hätte, ihre Reihen nicht angefüllt sind von todesmutigen, von tatendurstigen, von ideegetragenen, ideebegeisterten, ihres redlichen Sieges sicheren Kämpfern? Ist denn das Staatsvolk der Thora nicht das recht eigentlich revolutionäre Volk inmitten der Völker? Revolutionäre ohne — Leben? Ueberali regen sich die Pseudorevolutionäre der Geschichte, sie wachsen, sie schwellen an, sie erobern —: und nur die wahren Verneiner der Geschiehte, die echten Revolutionäre der Metageschichte, entbehren des Aufstiegs? Herr Doktor, da stimmt doch etwas nicht! Möchten Sie nicht!glauben, daß eine starke, große, lebendige Orthodoxie in aller Unabhängigkeit ihres metageschichtlichen Daseins allen Irrenden ein tausendmal wirksamerer Wegweiser wäre, als es jemals die Selbsteinnistung in Gemeinschaften