Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 223 (sequence 55)
- Belongs to
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223 Selbst Heller kann sich der Einsicht nicht verschließen, daß der Verlauf der jüdischen Geschichte eine Eigenart aufweist, für die sich in der historischen Erfahrung im Raume der Völkergeschichte kein Parallelfall findet. Man ist demnach berechtigt, jede Methode der Geschichtsdeutung, weiche ihre historischen Denkformen außerhalb des jüdisch-geschichtlichen Raumes gefunden hat, für die Deutung der jüdischen Geschichte solange abzulehnen, als ihre Berechtigung nicht aus der Prüfung der jüdisch-geschichtlichen Vorgänge erwiesen wird. Die Gesetzmäßigkeit der jüdischen Geschichte kann nur aus der Erfahrung der jüdisch-geschichtlicher! Vorgänge abgeleitet werden. Wer die historischen Denkformen der Völkergeschichte auf die jüdische Geschichte ohne weiteres überträgt, begeht einen methodischen Fehler. Es bleibt dann eine Glückssache, was an der jüdischen Geschichte richtig und was falsch gedeutet wird. Die angewandte Methode bürgt für die Richtigkeit der Ergebnisse nicht. Im Gegenteil, sie berechtigt, die Richtigkeit der Ergebnisse von vornherein in Zweifel zu ziehen. Heller stellt am Anfänge seines Buches fest: ״Die Judenfrage ist.... die Frage nach Ursache und Ablauf jener Entwicklung, die den Juden eine von anderen Völkern abweichende soziale und damit auch nationale Geschichte gab, Klassenscheidung und Klassenkämpfe bei den Juden in besondere Form kleidete.“ Dieser eine Satz stellt alle weiteren Ausführungen Hellers unter den Verdacht, die Ergebnisse einer falschen Methode zu sein. Diese Erkenntnis der Eigenart des zu untersuchenden geschichtlichen Porzesses sollte die Uebernahme der sonst für gültig gehaltenen Deutungsregeln der Geschichte verbieten. Doch bleibt Heller in seiner Untersuchung vollkommen in der Betrachtungsweise der für ihn sonst geltenden historischen Denkformen befangen. Die Erkenntnis der Eigenart der jüdisch-geschichtlichen Vorgänge bleibt für Heller ohne Konsequenzen. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen sind danach. II. Die Uebertragung der materialistisch deutenden Methode auf die jüdische Geschichte könnte sich nur dann rechtfertigen, wenn sie alle ihre Erscheinungen durch dieses Vorgehen begreiflich machen würde. Die Bedenken gegen das methodisch falsche Vorgehen, das in der Uebertragung allgemeiner Erkennt-