Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 222 (sequence 54)
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122 mischen Rolle der Juden als Träger der Warenzirkulation ab. Aus dieser ersten begriffsbildenden Eigenschaft folgen alle anderen, die aber keinen Anspruch erheben dürfen, das Wesen des Judentums darzustellen, da sie keine ursprünglichen Eigenheiten, sondern durch die Ausübung seiner!ökonomischen Tätigkeit /erworbene Qualitäten darstellen. Aus dieser Definition des Judentums ergibt sich sein zwangsläufiger Untergang. Ist das Judentum in erster Reihe eine Menschengruppe mit bestimmter ökonomischer Rolle, so muß es in dem Augenblick untergehen, in dem durch Umwälzung der sozialen Verhältnisse die ihm zugewiesene Rolle aus dem ökonomischen Prozeß ausscheidet. Mit anderen Worten: Hört die Warenzirkulation auf, so ist das Judentum, das der Träger dieser Zirkulation war und aus dieser Rolle der Warenzirkulation die Voraussetzungen seiner Existenz bezog, auch am Ende seiner Existenz. Die jüdische Kaste verliert mit dem Eintritt der sozialistischen Gesellschaftsordnung, die keine Warenzirkulation kennt, ihre Existenzberechtigung; und was übrig bleibt, ist die Summe von Individuen, belastet mit der Geschichte ,einer Vergangenheit, die keine Gegenwart und gewiß keine Zukunft mehr hat. Diese Individuen tun gut daran, als Individuen zu verschwinden — ,im Westen!1tun sie das — oder, so sie ihre Verbundenheit mit ihren Schicksalsgenossen nicht aufgeben wollen, sich als eine neue Nation auf dem Wege der Kolonisation gestalten. Was von den sekundären Eigenschaften der jüdischen Kaste, also Religion, Kultur, ■Nationalität in diese neue Umformung des Judentums hinübergerettet werden kann, mag hinübergerettet werden. Heller ist Optimist genug, um anzunehmen, daß von der Religion nichts, von der Kultur und Nationalität dagegen die jüdische Sprache und ihre profane Literatur in diese neue Metamorphose ides Judentums Eingang finden wird. Man darf dieser Auffassung der jüdischen Geschichte, auch ohne ihre einzelnen Behauptungen widerlegt zu haben, ein berechtigtes Mißtrauen entgegenbringen, da der Weg, auf dem man zu ihr gelangt, kein legitimer ist. Die Einordnung der jüdisch-geschichtlicher! Erscheinungen in die Gesamtheit der Weltgeschichte kann nur nach vorhergegangener Prüfung der jüdischen Geschichte erfolgen. Erst die Erkenntnis der Eigengesetzlichkeit der jüdischen Geschichte gestattet es, ihr Verhältnis zur Geschichte der anderen Völker zu untersuchen.