Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 204 (sequence 36)
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204 Auch in dem Sammelwerk Qo s la rs11, das sich im allgemeinen erfreulicherweise von solchen Einseitigkeiten fernhält, finden sich ähnliche Gedanken. Wenn auch Nossig12 jetzt als das eigentliche höchste Ziel der jüdischen Sozialhygiene nicht das körperliche Wohlbefinden, sondern die geistig-sittliche Vervollkommnung anerkennt, verteidigt er doch seine alte Theorie wieder in folgender Weise: ״Bestimmungen, die in ihrem wahren (sozialhygienischen) Wesen dargestellt, weder Verständnis gefunden hätten noch befolgt worden wlären, haben als wesentliche Bestandteile des Glaubens.... bindende Kraft erlangt“, ln demselben Sammelwerk sind wiederum die alten Schriften von A. Baginsky verwertet, die in den Parasiten der Austern und Raubvögel (warum nicht der Hühner?) das Motiv für die entsprechenden Speiseverbote Sehen.;In die gleiche Kerbe schlägt auch Rappaport, der die Bakterienarmut des fließenden Wassers für die Institution der Mikwah verantwörtlich machen will. (!) Zur Antithese sei auf eine größere Arbeit Honigmanns13 hingewiesen, der jedes sozialh'ygienische Motiv vollkommen ablehnt: ״Es ist vollkommen abwegig, für die vielen Vorschriften, die uns heute sozialhygienisch sehr annehmbar erscheinen und z. T. auch so gewirkt haben, als treibendes JVvoment eine höhere medizinische Einsicht zu vermuten.“ Ist damit das letzte Wort gesprochen? Oder sollte nicht auch in dieser strikten Ablehnung eine Einseitigkeit enthalten sein? Zur!Prüfung dieser Frage werden wir zunächst eine scharfe Scheidung ziehen müssen zwischen dem Gesetz der Thora, dessen Motive war nur dann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vermuten können, wenn der göttliche Gesetzgeber sie uns selber ändeutet, und den Vorschriften der Rabbinen, deren Motive!unserer Beurteilung viel!näher stehen. Da ist zunächst die grundsätzliche Tho rapf licht zur Gesundheit, die :wir bei der Individualmedizin schon gekennzeichnet haben, die aber auch in gleicher Weise wie für das Individuum auch für die soziale Gemeinschaft an- 11 Hygiene u. Judentum. Dresden 1930. ״ Alfred Nossig, Die jüdische Sozialhygiene als Erzieherin zur seelischen Vervollkommnung. ״ Georg Honigmann. Zur Vorgeschichte der sozialen Hygiene. Archiv f. soziale Hygiene. Heft 1 1926.