Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 203 (sequence 35)
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203 daß bei der Verbrennung des Räucherwerks sich Dämpfe ätherischer Oele entwickelt haben, die antiseptisch wirken, es ist auch nicht zu bezweifeln, daß.... auch das zugesetzte Zedernholz und der Ysop reich an ätherischen Oelen ist, aber wird denn irgend jemand, und hätte er von der Bakteriologie auch nur die alleroberflächlichste Kenntnis, glauben, man könne einen Infizierten aseptisch machen, wenn man einige Tropfen einer Flüssigkeit, und sei es auch das stärkste Antiseptikum, auf ihn sprengt?... Männer der Wissenschaft sollten sich von ihrem Eifer, in der Bibel die modernsten Anschauungen und Methoden zu finden, zu solchen Ungereimtheiten nicht verleiten lassen; denn statt die heiligen Schriften zu verherrlichen, wie sie meinen, machen sie sie und sich lächerlich.“ Und wie vom Standpunkt der Medizin mußte gegen diese Tendenz vom Standpunkt der Thora Protest erhoben werden. S. R. Hirsch wies an Hand der Einzelbestimmungen nach6, daß es völlig irrig wäre, in den biblischen Absonderungs- Vorschriften Maßregeln zur Verhütung von Ansteckung zu erblicken. Es lag auch bei einer rein sozialhygienischen Betrachtung der Gesetze die Gefahr nahe, daß die Wissenschaft einmal dazu kommt, sichere prophylaktische Mittel anzugeben und dann der Gedanke auf tauchte, man bedürfe der Gesetze heute nicht mehr. So erging es ja in analoger Weise mit der Trichinen-Theorie als Motiv für das Verbot des Schweine fieisches, die nachher als Vorwand diente, den Bruch mit dem Gesetz zu bemänteln. Hirsch konnte positive Beweise bringen, daß Motive ganz anderer Art, das Gesetz selber gibt sie an, für diese Bestimmungen maßgeblich waren. Trotz dieser vernichtenden Kritik seitens der Thorawissenschaft und der Medizin tauchen immer wieder Arbeiten auf, die das hygienische Motiv in den Vordergrund rücken. Kürzlich veröffentlichte Generaloberarzt von P e z o 1 d1 י eine Arbeit über ״Moses als Eugeniker“, in der er mit begeisterten Worten Moses als den weitblickenden Sozialhygieniker schildert. Daß Moses selbst andere Motive angibt, erkläre sich einfach aus der Tatsache, daß in der damaligen Zeit eine Einkleidung in religiöses Gewand erforderlich war, um Beachtung zu finden. ״ S. R. Hirsch, Comm. Lev. S. 273 if. 10 Deutsche med. Wochenschrift Nr. 35. 1932.