Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 202 (sequence 34)
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202 gen Führerschicht innerhalb der Massen zu gewährleisten, ohne die auch eine sozialistische Ordnung nicht existieren kann. Wenn wir sehen, wie allenthalben die Eugenik Anspruch darauf erhebt, bestimmende Grundsätze in die Weltanschäuungen einzuführen, so ergibt sich in unserem Kreise von selbst die Frage: wie steht’s mit der jüdischen Weltanschauung? Ist auch hier die Einführung eugenischer Prinzipien möglich oder notwendig? Und diese Frage erweitert sich zum allgemeinen Problem der Stellung des Judentums zur gesamten Sozialhygiene. Haben sozialhygienische Gesichtspunkte jüdisches Leben und jüdische Lehre maßgeblich bestimmt, gibt es eine ״jüdische“ Sozialhygiene? Diesem Problem soll der letzte Abschnitt unserer Betrachtungen gewidmet sein. 2. Gibt es sozialhygienifche Gesetze im Judentum? Jedesmal, wenn eine Epoche ein neues Gebiet der Wissen- Schaft erschließt, zeigt sich das Bestreben im jüdischen Kreise, die neuartigen wissenschaftlichen Elemente in ihren Tendenzen bereits im alten jüdischen Schrifttum nachzuweisen. ״Suche drin und suche drin, denn alles ist darin.“ So geschah’s auch, als Ende des vorigen Jahrhunderts die hygienische Wissenschaft entstand. Da sah man in den religiösen Speisevor- Schriften diätische Gesundheitsregeln, Beschneidung wurde als hygienischer Schutzakt gegen venerische Krankheiten angeser hen, die jReinheitsgesetze wurden zu Reinlichkeitsgesetzen usw. Und als um die Jahrhunderwende das soziologische Moment in der Hygiene stärker betont wurde, mußte natürlich auch die sozialhygienische Bedeutung der Gesetze erschlossen werden: die Aussatzgesetze waren nichts als Seuchengesetze mit Quarantäne und Desinfektionsmaßnahmen; Sabbath, Sexualvorschriften und manches andere wurde in rein sozialhygienischem Sinne gedeutet. So verkehrte die Liebe zum Judentum das Unwesentliche zum Wesentlichen und zwängte das spröde Gesetz in die hygienische Zwangsjacke, die ihr so gar nicht behagte. Davon legen die älteren Arbeiten von N o s s i g6 und manche Seite des Werkes ״Die Hygiene der Juden“7 beredtes Zeugnis ab. P r e u ß8 hat schon damals solche Bestrebungen gebrandmarkt. ״Es Soll gewiß nicht geleugnet werden, * Nossig, Sozialhygiene der Juden; 1894; z. B. S. 41. ’ Max Grunwald, Die Hygiene der Juden. Dresden 1911. Julius Preuss, Bibliscb-talmudische Medizin, Berlin 1911 S. 174.