Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 201 (sequence 33)
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201 zusetzen.“ Wenn auch Bavink zunächst nur gegen die liebevolle Pflege alles Ungesunden, die als ״Menschenrecht“ gefordert wird, Front macht, so kann doch aus dem schlechthinigen Primat des ״Organischen“, des Nationalen vor dem Individuum zu leicht eine ethische Begründung eines überspitzten nationalen Rassen-Chauvinismus abgeleitet werden. Denn bis zu der von Bavink erträumten ״organischen Einheit der gesamten Menschheit“ hat’s wohl noch einige Weile. Die Forderung des Tages heißt: gerechte Abgrenzung zwischen den Rechten des Individuums und der überindividueilen Einheit. Und da genügt uns B a v i n k ’s Streben nach einer theoretischen Differenzierung von ״sozialer Förderung“ und ״generativer Förderung“ allein keineswegs. Hic Rhodus, hic salta! Indes man hat unbedingt die Ueberzeugung, daß die Eugenik auf den Protestantismus projiziert nicht unbedingt die Einstellung Bavinks erfordert, sondern daß es gelingen kann, den Ausgleich zwischen Bruderliebe und Anerkennung der Rechte organischer Einheit auch ohne ideologischen Konnex mit dem Faschismus zu finden. Wie in der christlichen Weltanschauung die Bruderliebe den Knoten des Konflikts mit der Eugenik schürzt, so vertritt diese Stelle in der sozialistischen Weltanschauung die Solidarität mit dem proletarischen Genossen. Die Vorstellung der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Volksgenossen ist heute Voraussetzung der sozialistischen Einstellung, die Eugenik geht von der Verschiedenwertigkeit der Individuen aus. Der Sozialismus ist durch den Kampf um die Ueberwindüng!eines feindseligen gesellschaftlichen Milieus auch der geistigen Haltung nach milieuorientiert. Die Eugenik erkennt über die Erziehungs- und Umweltfaktoren hinaus der Vererbung für die gesunde Entwicklung der Volksmassen besondere Bedeutung zu. Bisher ist es der Eugenik nicht gelungen, in die sozialistische Weltanschauung eine Bresche zu schlagen, nur wenige Sozialisten bekennen eich ohne Vorbehalt ״zum Primat der Eugenik zur Euthenik, zur grundsätzlichen Vordringlichkeit der Rassenpflege vor der Umweltpflege.“ Zu diesen wenigen gehört K. V. Müller, der in dem Sammelwerk das Problem ״Eugenik und Sozialismus“ bearbeitet hat. Müller sieht bei Weiterverfolgung der rein euthenischen Tendenz im Sozialismus die Gefahr der Degeneration der Massen, nur die Einführung eugenisCher Prinzipien in die sozialistische Weltanschauung vermag den Bestand einer hochwerti-