Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 200 (sequence 32)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2551369-2551370-2551375--1117-2552625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
200 ein katholischer Staatsbürger, der einen solchen direkten Eingriff nach der Lehre seiner Kirche für unerlaubt hält, wird in einem Staatswesen, das zum größten Teil aus nicht-katholischen andersdenkenden Staatsbürgern besteht, nicht verlangen, daß man sich der katholischen Auffassung beugt, es sei denn, daß es sich um das Naturrecht*) selbst Wandelt.“ Und mit Recht weist Muckermann darauf hin, daß ,aus der ״Straffreiheit“ nicht auf ״sittliche Erlaubtheit“ geschlossen werden dürfe. Besonders anzuerkennen ist auch Muckermanns Bestreben, bei aller Betonung des katholischen Standpunkts auch die Gewissensfreiheit der anderen Konfessionen zu achten. Die Eugenik führt die Konfessionen auf dem gemeinsamen Boden der ״natürlichen Ethik“ zusammen. Führte uns Muckermann zu einer Reihe ethischer Spezialfragen, so wird in der Arbeit von Bavink über ״Eugenik und Protestantismus“ der allgemeine Konflikt ausgetragen, der zwischen der Forderung der Bruderliebe und den Forderungen der Eugenik entsteht. Denn die Nächstenliebe verlangt Förderung der Schwachen und Minderwertigen, und das steht oft im Widerspruch zur Eugenik. Die Bruderliebe wird nur die ״eugenischen Forderungen ohne weiteres bejahen, die auf das Wohl der Individuen der neuen Generation abzielen, dagegen alles ablehnen, was irgendwie nach einer Vergewaltigung von Individuen zwecks Förderung übergeordneter Einheiten (wie z. B. des Volks) aussieht.“ Gegenüber dieser rein individualistischen Auffassung der christlichen Ethik, wie sie von Otto und Schweitzer vertreten wird, sucht Bavink dem eugenischen Prinzip dadurch zum Durchbruch zu verhelfen, daß er vom Gedanken der Schöpfung Gottes ausgeht, die ״offensichtlich nicht nur Individuen, sondern auch Familien und Berufsstände, Völker und Rassen schuf“, die deshalb ״denselben Ausspruch auf Lebensförderung besitzen wie die Individuen.“ Mag man diesem Gedankengang soweit noch folgen, so wird man schon kritischer sein, wenn Bavink aus den ״überindividuellen Schöpfungseinheiten“ den Anspruch ableiten will, daß wir ״unter Umständen gezwungen sein können, um ihretwillen die Lebenswerte einzelner Individuen hintan- * Die Enzvkiika spricht allerdings auch bei der medizinischen Indikation von einem Verstoss ״gegen Gottes Gebot und die Stimme der Natur.“