Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 198 (sequence 30)
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196 Bestreben macht sich besonders auf einem Teilgebiet der Sozialhygiene geltend, das immer mehr zentrale Bedeutung in Anspruch nehmen darf, der Rassenhygiene oder Eugenik. Die Eugenik stellt!sich jetzt ״mit all ihren Problemen und Maßnahmen so unmittelbar an die Seite der theoretischen und praktischen Behandlung der sozialen Probleme, daß man mit vollem Rechte sagen darf, daß ohne Eugenik eine entscheidende Lösung der großen sozialen Probleme unmöglich ist.“ (Just) Ein Bild von dem Kampf, den die Eugenik um den Einlaß in die Weltanschauung führt, vermag ein Sammelwerk zu geben, das kürzlich von Günther Just5 herausgegeben wurde. Eugenik ringt hier um ihre Stellung im Katholizismus (Muckermann), im Protestantismus (Bavink) und im Sozialismus (K. V. Müller). Mit Recht hebt Just die Eigenart der Eugenik gegenüber allen anderen Gebieten der Sozialhygiene hervor, die das gegenwärtig Gegebene ins Auge fassen und somit einen soziologischen Querschnitt des Volkskörpers bieten. Demgegenüber stellt die Eugenik einen biologischen Längsschnitt dar. So entsteht neben der ,alten ethischen Pflicht der sozialen Förderung der Mitmenschheit der neuartige Begriff der generativen Verantwortlichkeit. Die Erbgesundheit des Volksganzen soll gefördert werden. Daher sind ״die erbtüchtigen, also die erbgesunden und erbüberwertigen Familien eines Volkes zu pilegen, zu erhalten und zu mehren, die erbuntüchtigen und erb- ' kranken Familienstämme hingegen nach Möglichkeit von der Beteiligung am Aufbau des künftigen Volkskörpers iernzuhalten“, sagt Just. Diese Beschränkung ״nach Möglichkeit“ ist nach Just nicht nur rein als als den Machtverhältnissen entsprechend gedacht. Er denkt in der Hauptsache an e t h isehe Möglichkeiten, denn nach ihm kann ״die fordernde Eugenik nur Teil eines größeren ethischen Gebäudes sein.“ Hier muß es aber zu Konflikten kommen, wenn die rein eugenischen Gesichtspunkte in Widerspruch zu anderen ethischreligiösen Postulaten treten. Am deutlichsten erkennen wir dies bei der Steilung der Eugenik zum Katholizismus. Muckermann, der der Leiter der eugenischen Abteilung des Kaiser-Wilhelm-Instituts ist, sucht einen Ausgleich zwischen den Ergebnissen der eugenischen Forschung und der Stellung 5 Günther just, Eugenik und Weltanschauung. Bln.-Münch- 1932.