Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 197 (sequence 29)
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197 pell an andere Gemeinschaftsgefühle (Nationalgefühl), die das ״moralisehe Bewußtsein des Einzelnen wirksam in Bewegung zu setzen pflegen.“ So ist es verständlich, wenn Grotjahn im Laufe seiner Entwicklung immer mehr zu einer ״Wertschätzung der idealen und sittlichen Forderungen“4 in seiner Sozialhygiene gelangte. Wird so dem weltanschaulichen Einfluß die Tür geöffnet, so wird dieser Gast seinen Dank dadurch abstatten können, daß er den sozialhygienischen Forderungen zu einem Resonanzboden verhilft, den er ohne ihn nie finden könnte. Davon sioll im kommenden Abschnitt die Rede sein. B. Der sozialhygienifche Einfluß auf Weltanfchauung und Ethik, i. Eugenik und Weltanfchauung. Die sozialhygienische Forschung mußte erkennen, daß ihre praktische Verwertung ein Stückwerk bleiben müsse, wenn sie zur Durchfühnmg ihrer Forderungen nur wirtschaftliche und sozialpolitische Maßnahmen ergreift. An die Seele des Volkes konnte sie nur herankommen, wenn es ihr gelang, ihre Forderungen mit dem Purpurmantel ethischer Postulate zu umkleiden. Wir haben schon bei der Hebung der Geburtenziffer gesehen, wie;selbst Grotjahn die Hebung des moralisehen Bewußtseins des einzelnen für erforderlich erachtete. Ob allerdings die von ihm notgedrungen gewählte Basis des ״N a t i o n a 1 g e f ü h 1 s“ genügend stark ist, mag bezweifelt werden. Man hat mit Recht ״gegen eine Ueberschätzung des nationalen Motivs geltend gemacht, daß sich damit wohl ein Augenblickserfolg, aber keine dauernde Wirkung erzielen lasse, daß wohl der einzelne bisweilen von ihm fortgerissen, aber keine Nation aufgerüttelt werden könne, wenn der Rückgang der Geburtenzahl bereits eine nationale Gewohnheit geworden sei “ (W alter). So wird's wohl mit allen sozialhygienischen Postulaten sein, die irgendwelche Opfer von dem Volke voraussetzen. Es ergibt sich daher die Not- Wendigkeit, an stärkere Instanzen zu appellieren, die Sozialhygiene muß eine Mobilisierung religiöser Kräfte anstreben, und von besonderem Werte wird es für sie sein, wenn sie ihre Forderungen religiös-ethisch postulieren kann. Dieses 4 Alfred Grotjahn• Erlebtes und Erstrebtes. Berlin 1932 S 112.