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Nahalat tsevi · 1933-03-01 · Heft 6-7 (März 1933) · p. Seite 195

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 6-7 (März 1933)
Date
1933-03-01
Page
Seite 195 (sequence 27)
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in Form einer ״Diesseitsethik“ — gewissermaßen in illegitimer Ehe einzuführen. Kantorowicz, der in der ״Sozialen Medizin“3 die Arbeit Niedermeyers kritisiert, gibt zu, daß ״gerade der metaphysische Gedanke unter den Wissenschaftlern so verbreitet ist, daß sie in letzter Zeit besonders durch Hans Driesch und durch William Stern sogar nahe an die Empirie angrenzt.“ Wenn Kantorowicz trotzdem die Bedeutung der ethischmetaphysischen Komponente in der Sozialhygiene bestreitet, slo hebt er zur Begründung zwei Tatsachen hervor: Zunächst herrsche unter den Metaphysikern eine ungewöhnliche Uneinigkeit, so daß von dieser Seite kaum eine Klarheit zu erwarten sei. Ich glaube, daß diese Begründung nicht stichhaltig ist, denn grade die Soziologie, die doch eine Mutter- Wissenschaft der sozialen Hygiene ist, birgt in sich gleich einschneidende Gegensätze wie die Metaphysik, und dennoch wird Kantorowicz nicht den Einfluß der Soziologie auszuschalten wagen. Zudem ist zu berücksichtigen, daß trotz der inneren Disharmonie der Metaphysik grade ihre Berührungspunkte mit der Sozialhygiene eine ziemlich einheitliche Stellungnähme ermöglichen. Der zweite Einwand Kantorowiczs gegen Niederm e y e r s Auffassung geht von der historischen Erwägung aus, daß der Anstoß zu sozialhygienischen Maßnahmen bisher eher vom Selbsterhaltungstrieb als von der Ethik kam. Die Träger des ethisch-metaphysischen Gedankens hätten keine nennenswerten Verdienste auf dem Gebiete der sozialen Hygiene gezeigt, ja sie hätten sogar zur Zeit ihrer größten Machtstellung das soziale Elend geduldet. Unterstellen wir einmal als wahr, daß diese Träger zu Zeiten versagt haben, daß die Ethik keine schöpferische sozialhygienische Leistung getätigt habe, damit ist doch keineswegs die Auffassung Niedermeyers tangiert. Denn ,niemand wird bestreiten wollen, daß der Empirie eine wesentliche Bedeutung in der sozialhygienischen Forschung zukommt, ,nur dagegen soll Einspruch erhoben werden, daß die Empirie sich anmaßt, über die letzten Dinge der Welt ein Urteil abzugeben, und darum handelt es sich vielfach bei den Forderungen der Sozialhygiene. Der postulierte Einfluß der Ethik und Metaphysik soll sich ja gar nicht in der Weise geltend machen, daß hier ein sozialhygienisches System *) ״Soziale Medizin“ No. 7 S. 386, 1932•

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