Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 194 (sequence 26)
- Belongs to
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״94> so werden wir uns einiger Gedanken erinnern, die wir über die Hygiene des Individuums vorausgeschickt haben. Die seelisehe Struktur des Individuums setzt eine individuelle seelische Therapie voraus. Das fordert die Erkenntnis der psychb-physisehen Vorgänge. Das, was für den Einzermenschen gesagt wurde, gilt in noch höherem Maße, wenn wir uns in unserer sozia!hygienischen Wissenschaft bemühen müssen, die see- Iischen Faktoren des Gesellschaftslebens zu erkennen und sie bei unserem sozialpolitischen Handeln zu bewerten und zu vierwenden. Diese auf das Seelische der Bevölkerung und ihrer Schichten eingestellte Methode wird naturgemäß in hohem Maße Von der Weltanschauung abhängig sein müssen, auf deren Basis wir arbeiten. So erweist es sich auch auf diesem Gebiete als eine Notwendigkeit, in unserem sozialhygienischen Forschen und Handeln weltanschauliche Elemente nicht etwa als Fremdkörper zu betrachten, sondern sie in die wissenschaftliche 'Arbeit der Sozialhygiene einzubürgern. Mag diese Kette der Beweise genügen! Wer sich eingehend mit der Bedeutung des Weltanschaulich-Ethischen in der Sozialen Hygiene befassen will, wird zu einer Schrift greifen können, die vor mehr als 10 Jahren der Theologe Walter publiziert hat.2 Auch jaus ihr wird man die Notwendigkeit ersehen, eine Nomenklatur und Systematik anzuerkennen, wie sie Niedermeyer in Anlehnung an Alfons Fischer vertritt. Die Sozialhygiene wird nicht als alleinige biologischsoziologische Funktion betrachtet. Denn dann würde sie aus dem gesamten Kulturleben der Menschheit herausfallen. Die beiden Säulen der Biologie und der Soziologie tragen zwar die Sozialhygiene, aber sie müssen von einer ״Kulturhygiene“ :überwölbt werden, die die ethisch-metaphysische Betrachtungsweise zu ihrem Recht kommen läßt. Es kann nicht Wunder nehmen, daß gegen diese Betrachtungsweise die alte Richtung der Sozialhygiene Sturm läuft. Die Vertreter dieser Richtung gehören zumeist sozialistischen Kreisen an, die den positiven Religionen gegenüber (besonders kritisch eingestellt sind. Drum wenden sie sich instinktiv gegen die Einführung eines!ethisch-metaphysischen Einflusses, weil es ihrer Mentalität zuwider ist, sind aber doch genötigt, irgendwie das ethische Moment — allerdings zumeist * Franz Walter, ״Die Sozialhygiene in ihrem Verhältnis zur Weltanschauung und Ethik“. Karlsruhe 1921.