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Nahalat tsevi · 1933-03-01 · Heft 6-7 (März 1933) · p. Seite 188

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 6-7 (März 1933)
Date
1933-03-01
Page
Seite 188 (sequence 20)
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188 Die Wendung der Dinge in Deutschland hat einen so gewaltig großen Zug, daß sie uns wirklich mit vollem Recht in eine innere Beziehung zu dem Ereignis bringt, welches einst unsere Ahnen den ersten Schritt aus Aegypten in der Richtung auf das Heilige Land zu tun ließ. Dieser gewaltige Zug liegt in dem neuen Beweis für das vollkommen Irrationale im Leben der Völker. Nicht kraftvolle Machtentfaltung, nicht gewaltiger Sieg oder ihr Gegenbild, schmerzlichst empfundene Niederlage, bestimmt ihren Weg. Das ist — und wir haben es mit schauernder Ehrfurcht erlebt — eine Entschleierung der letzten Geheimnisse der Seele. Was jahrzehntelang in der letzten Falte der Seele von Millionen lebte, hat sich Bahn gebrochen und bestimmt nun mit elementarer Gewalt die Geschicke des Volkes. Da gibt es nicht kühle Berechnung, da gibt es nichts von bänglicher Angst, da gibt es nur einen Aufschrei des Herzens, und die langverhaltene Träne wandelt sich in jubelnder Bewunderung vor der Grenzenlosigkeit der Kraft des eigenen Willens. Das ist das große Erlebnis unserer Zeit, und das ist die Stellungnahme hierzu an der Hand der Weltanschauung des Judentums. Zu den tragischen Begleiterscheinungen der Weltgeschichte gehört es seit Jahrtausenden, daß das jüdische Volk jeden Schmerz der Menschen doppelt empfinden, jedes Leid in verstärktem Ausmaß erfahren mußte und daß er in Uebergangszeiten das an und für sich labile Gleichgewicht seiner Stellung in der Welt erschüttert sehen mußte. Aber niemals berichten uns die Annalen von zweitausend Jahren, daß die Judenheit deshalb verzagt geworden wäre und etwas an ihrem Lebensmut eingebüßt hätte. Der Grund dieser wunderbaren Erscheinung ist nicht bloß ein uneingeschränktes Vertrauen zur Weisheit und Güte des Allmächtigen, sondern ein ebenso starkes Vertrauen, ein ebenso unbeschränkter Glaube an das Gute im Menschen. Wir wissen, daß jeder Herzschlag Verantwortung fühlender Menschen in der Hand Gottes liegt, daß jeder Gedanke solcher Menschen nach einer bekannten Erklärung des Gaon von Wilna unter ganz besonderem Einfluß der Vorsehung sich befindet. Es ist höchste Aufgabe des jüdischen Menschen, dem feierliehen Wort der höchsten Stelle in Deutschland unbedingten Glauben zu schenken und sich überzeugt zu halten, daß der ernste Wille dieses Mannes den Weg finden wird, um für

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