Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 179 (sequence 11)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2551369-2551370-2551375--1096-2552604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
179 so neu, so nur Ergebnis sei der Zeit, wie es wohl mancher unserer Brüder denken mag, oder ob nicht auch schon in vergangener Zeit in Israel Männer waren, die ihre Brüder über ihr Leben belehrten, wenn abschweifend sie ihren Lebensberuf verkannt hatten, ihnen zuriefen und sie mahnten, was sie seien und sollten: fürs Glück Stärke, — Spannkraft für das Elend und stille Ergebung in ihre Gemüter pflanzten; Männer, die als ״Auge der Nation“ Gegenwart erkannten, Zukunft erschauten, und was sie erkannten und was sie erschauten, in des Wortes lyielfassendem Sinn aussprachen. — Wem von uns, meine Freunde, treten hier nicht jene Männer der Rede vor die Seele, die in hehrer Reihenfolge die mannigfachen Geschicke unseres Volkes mitdurchlebten und vorzüglich da hervortraten, als schon die Lampe in Israels Lebenstempel am Erlöschen war, als das Feuer auf seinein Altar nicht mehr von ganz so reinen Opfern loderte, auftraten, und den nur noch glimmenden Docht, die nur noch blinkende Kohle erfaßten und das Erlöschende so belebten, daß jenes Licht, jene Flamme noch heute, nach so vielfachem Zeiten- Wechsel Strahlen in unsere Gemüter wirft, noch heute mächtig ergriffen wird das Herz, wenn ihre Worte zu uns reden. — Denn wer von uns kennte sie nicht, die Schriften der Seher, wer von uns hätte nicht tieffühlend ihre Worte gefaßt, wäre nicht gefolgt dem Fluge ihrer Rede, wenn sie den glänzenden Schein der Gegenwart zerstören, der Zukunft Schleier lüften und über der Trübsal Tage weit hinaus der fernen Tage heiteres Bild uns malen; hätte nicht mit ihnen gejauchzt, mit ihnen getrauert und fühlte sich nicht durch sie den Blick erhellt zum Begreifen der geschichtlichen Entwickelung des Völkerlebens und zur Auffassung der Entfaltung des Einzelnen. Wem regt da sich nicht in wogender Brust der Wunsch: Oh, weihet uns ein zu euren Jüngern, hehre Gottesmänner, einen Strahl von eurem Seherblick für unser erblindend Auge, eine Regung eures starken Gemütes für unsere enge Brust, einen Kraft- Splitter eures mächtig ergreifenden Wortes für unseren Mund — und (dann hingetreten vor die Ohren unserer Brüder, und was wir tief euch nachfühlten, aufgeregt euch nachschäueten, wenn auch nur im Nachhall eurer Worte, vielleicht nicht ganz ohnkräftig ausgesprochen! — Doch jene Männer waren geweckt vo(m Herrn der Zeit, waren hingerufene Wächter auf der Zeiten Warte; zu ihrem Geiste sprach der Gottheit Geist und