Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 177 (sequence 9)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2551369-2551370-2551375--1094-2552602- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
177 schüchternem Blick ich’s wage, vor Sie hinzutreten, wenn zagend, ängstlicher das Herz mir schlägt und nur mit scheuem Schritt ich’s versuchen kann, den eben begonnenen Weg fortzuführen. ־— Habe ich doch lange mich auf eine solche Stunde innerlich gefreut, wo dem inneren Leben Aeußerung wird gewährt und der Mitteilung geistigstes Mittel, das Wort, gestattet ist zur wahren Prüfung des Gedankenschatzes. — Denn solange in innerem Schacht die Idee noch an den Mutterfels geknüpft ist, da, da zeigt sich’s noch nicht, ob reines, fed׳les Metall, ob unnütz /taube Schlacke ihr Inhalt einst uns bieten wird; — doch hinausgefördert ans Licht, hinausgewandelt zum Kind des äußeren Lebens und an des Wortes Prüfstein wohl erprobt, 'ergibt es sich bald, ob Segen daran sei. —Und dennoch zage ich jetzt, und dieses Zagen hindert mich den Geistesblick so rein und ganz dem Gegenstand zu weihen, mit ruhiger Besonnenheit das Vorliegende zu behandeln. — Drum sei Nachsicht, liebevolle Nachsicht, das erste Band der Freundschaft, das ich mir heute, geehrte Freunde, von Ihnen erbitten muß. Nachsicht für die Schwäche meiner Fähigkeit, Nachsicht für das schüchterne Schwanken eines ersten Versuchs. — Fragen wir uns demnach, was, beste Freunde, uns denn in dieser Stunde hier versammelt; — nicht wahr! üben wollen wir uns, uns tüchtig machen zum einstigen Beruf, den Akt, der in unseres Lebens Stand am meisten Oeffentlichkeit einst fordern wird, mit möglichster Kraft und Vollendung so einst erfüllen zu können, daß er zum würdigsten gehoben werde, zum segenvollsten, und fruchtreich weiter wirke im Gemüt des Zuhörers — Wird nun es uns einst gestattet, was wir im eigenen kleinen Kreise vorübend hier versuchen, in Wirklichkeit, umgeben von der Hörer reicher Zahl, in des Amtes geweihter Würde zu begehen, dann wird des Hauses hehre Bedeutung und der Gemeinde gespannte Erwartung und des eigenen Bernfes ernstes Bild mit aufregender Stimme an uns die Mahnung schicken: daß in die empfänglich geöffneten Gemüter des Hörerkreises wie in weitgefurchtes Ackerfeld wir uns des Lebens Samen säen sollen, nur Samen, der in sich den Keim zur kräftigsten Entfaltung, zur einst erquickendsten Frucht enthalte, und solches Wort nur reden, das auch hinaus den Hörer noch begleite in des geschäftigen Lebens buntes Spiel und ihm auch zur Warnungsstimme werde in losgebundener Freude des Wechsellebens und zum linden Trosteshauch, wenn