Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 6-7 (März 1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Belongs to
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Zur Lage. Von Dr. Isaac Breuer. Die Stunde der Bewährung ist gekommen. Die siegreiche nationale Revolution in Deutschland ist einstweilen von einer starken antisemitischen Strömung begleitet. Sie legt allen deutschen Juden ihr Judentum als Schicksal auf. Wohl den deutschen Juden, die dieses Schicksai verstehen und aus ihm Berufung herleiten können. Vor mehr als hundert Jahren brach unter den deutschen Juden die Pest der Reform aus. Sie war, zum mindesten in ihrer Wirkung auf die Masse, keine religiöse Bewegung. Das Streben nach bürgerlicher Emanzipation war ihre eigentliche Triebfeder, Um dem deutschen Volke äußerlich und auch innerlich sich anzuglei dien, gab sie die heiligsten Güter des Judentums ohne Skrupel preis, erniedrigte die göttlich ewigen Forderungen des Judentums zu zeitgeborenen und zeitgebundenen Menschlichkeiten, warf sich zur Sittenrichterin über jüdisehe Lebensgesetze und Lebensinstitutionen auf, die ihr nur noch orientalische Gebräuche und Gewohnheiten waren, schied sich von der historischen Vergangenheit unseres Volks und seiner historischen Zukunftshoffnung und brach dem Gotte Israels und seiner Thora radikal die Treue. Die große Mehrheit der deutschen Juden ist der Propaganda der Reform, die alle Gründe der Nützlichkeit, der Klugheit, der Bequemlichkeit, des Profits, des Rationalismus, der Gedankenlosigkeit auf ihrer Seite hatte, zum Opfer gefallen. Fassungslos stehen heute die Urenkel dem Geschehen gegenüber. Gott hat Nein gesagt. Gott wollte nicht und will nicht. Gott hat den Weg, den die Reform den deutschen Juden wies, in Irre und Wirrnis, in Trübsal und Bestürzung münden lassen. Dieser .Weg war ein Weg der Unwahrheit und nicht ein Weg der Wahrheit. Er machte aus!den Urenkeln derer, die ihn trunkenen Wahne beschritten, Juden ohne Judentum. Er hinterließ bei ihnen jüdische Eigenart ohne jüdisches Wissen und ohne jüdischen Glauben; jüdisches Blut ohne jüdische Idee.