Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 56)
- Belongs to
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166 —-Herr Doktor, wie ist das? Bernheim: Mein lieber Junge — Sie quälen sich und mich. Es gibt im Judentum so viele andere höhe und schöne Punkte, über die sich weit besser reden ließe. Alfred: Keine, die für die geschichtliche Zukunft unseres Volkes entscheidender sind. Nein, Herr Doktor, weichen Sie mir nicht aus. Bernheim: :Wie grausam ist doch oft die Jugend. — Der Unterschied scheint mir klar zu sein. Die politischen Parteien verbleiben doch alle innerhalb des Rahmens des Staats. Sie sagen sich doch nicht vom Staat los. Die Gemeinsamkeit des Staats überwölbt die Gegensätzlichkeit der Staatsideen. Jede Partei hat ihr eigenes Staatsprogramm. Dem Programm keiner Partei entspricht der aktuelle Staat. Warten die Parteien, von revolutionären Ausnahmezeiten abgesehen, nicht in Geduld, daß der Staat ihr Staatsprogramm verwirkliche? Alfred: Herr Doktor, ist das Ihr — Ernst? Bernheim: Ich kann Ihnen mehr nicht sagen. Es ist nicht leicht, nachträglich eine theoretische Rechtfertigung dessen zu finden, was inan, dem Dämon im Innern folgend, in freier Notwendigkeit getan hat. Alfred: Herr Doktor, belehren Sie mich doch, führen Sie mich doch. Ich kann es ja nicht begreifen! Ein Mann wie Sie, berufen zum Führer unseres Volks, die Thora liebend und nach Zijon schauend: ein Mann wie Sie spricht es einfach aus, daß die allumfassende liberale Religionsgemeinschäft und die allumfassende zionistische Nationalgeffieinschaft den Rahmen für alle Juden bildet, gleich dem Staat der;Völker, den selbst die Thora-Idee achten muß und nicht sprengen darf, dergestalt, daß sie nur innerhalb dieses Rahmens sich auswirken und ihre Anhängerschar sammeln soll? Darum also ״Austritt“, darum also ״unabhängige Orthodoxie“, darum ״Einkapselung“ und wie all die Worte lauten, die mir, von außen kommend, so unheimlich rätselhaft klingen? Von der liberalen ׳ Religionsgemeinschaft und der zionistischen Nationalgemeinschaft ״tritt man aus“, von ihr macht man sich ״unabhängig“, ihr gegenüber ״kapselt man sich ein“! Sie ist bereits das Primäre, das ursprünglich Gegebene und Vorhandene, in das jeder Jude gleichsam hineingehören, durch Geburt hineingestellt wird, und von der er sich erst ״separieren“ m!uß, wenn er mit ihr nichts zu tun haben