Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 49)
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161 ab von allem Visionären. Praktische Klarheit ist der Zustand, bei dem z. B. Abraham נביא wird, was gar nicht ״Vorhersager“ bedeutet, auch nichts mit Vision und Dichten zu tun hat, sondern es bedeutet wesentlich Gottes Organ, zu dem, aber nicht aus dem Gott spricht, um sein Wort weiterzutragen. So zeigt auch das ganze Verhalten Mosches, namentlich seine Verzweiflungtan sich!selbst, daß die תורה durch ihn, aber nicht aus ihm ist. Er behält seine volle Selbständigkeit und seine ungeschmälerte Willensfreiheit, weshalb ja auch unsere Weisen sagen: לעולם לא ירדה שכינה למטה מעשרה, womit sie zum Ausdrucke bringen, daß das Menschliche im Menschlichen bei einem solchen Vorgange nie völlig geschwunden und zum willenlosen Werkzeug des Göttlichen geworden ist. Können wir auch nichts Fositives über die Art und Weise des נביא - oder רוח הקדש-Zustandes aussagen, so wissen wir doch jedenfalls, was er nicht ist. Die Vorstellung, daß Gott nur in dem Propheten, nicht zu ihm spricht, ist ebenso unjüdisch wie die, daß durch ein Gotteswunder den Einfältigen plötzlich Prophetengabe verliehen werde, denn ובלב; כל חכם לב נתתי חכמה, nur den macht Gott zum Gefäße göttlicher Weisheit, der bereits die natürliche menschliehe Weisheit aus sich entwickelt hat. Der Geist der Prophetie kommt auf den Menschen, ruht auf ihm, also etwas, das von außen kommend den Propheten über das Niveau des Normalmenschlichen hinausstellt. Der רוח hingegen ist bloß eine Vermehrung des geistigen Innern, und was infolge solcher Erregung geschieht,!geht nicht hinaus überdas normale Maß menschlicher Fähigkeit, bleibt vielmehr Menschentat und Menschenwort, nur getragen und gehoben von besonderer geistiger Begabung.“ Es scheint uns überhaupt bei dem In-Beziehung-setzen cheler’scher Grundgedanken zum Judentum der unüberbrückbare Gegensatz, der zwischen Scheler’scher und allen ähnli- Chen Betrachtungsweisen einerseits und der echtjüdischen Anschäuung andererseits herrscht, und wie derselbe auch in geradezu unübertrefflicher Weise aus den zwei klassischen Aufsätzen Hirschs: ״Glauben und Wissen“ (Ges. Sehr. VI, S. 12 u. f.) ״Einzigkeit der Thora. Religion, Theologie, Kultus, Thora usw.“ (Ges. Sehr. I, S. 80 u. f.) hervorgeht, — nicht in aller Schärfe hervorgehoben zu sein. Denn im Grunde genommen geht es bei Scheler doch nur um alles mehr oder minder intuitive ״Erschauen der Wahrheiten und Werte der Religion“, woraus dann die jeweilige