Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 44)
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informiert uns K. Vorländer (Geschichte der Philosophie, 1927, III, S. 248 u. f.) kurz und instruktiv wie folgt: ״Vor allem stellt er (Scheler) in bewußtem Gegensatz zu Kants formaler Ethik und dessen autonomem Sittengesetz ein ״objektiv“ sein sollendes ״Reich der Werte“ auf.... Jede der in diesen enthaltenen Gegenstandssphären hat ihre erschaubaren Wesensgesetze, die, nach scholastischer Weise, in eine metaphysisch-antologische Lehre vom Absoluten münden. Während das Absolute in seiner (Schelers) katholizisierenden Periode theologisiert wurde, stellt er in seinen letzten Schriften eine pantheistisch gefärbte und, einem gewissen Modezuge derZeit folgend und mit orientalischer Denkweise liebäugelnd Metaphysik im Gegensatz zu den positiven Offenbarungsleuren auf. Intuition ist ist er, insofern auch er von der strengen logisch-apriorisehen Methode zu einer unbeweisbaren, ihm seiber aber ״evident“ scheinenden ״Wesen ss chau“ ablenkt“. Wohlgemuth versucht es nun, einige Grundgedanken der Religionsphilosophie Schelers von jüdischem Standpunkte aus zu beleuchten, da derselbe ״nicht bloß für die Grundlegung einer neuen Erkenntnistheorie und Ethik, sondern!auch für die Religionsphilosophie von Bedeutung geworden.“ So wollen wir uns erlauben, einige Anmerkungen an diese Ausführungen Dr. Wohlgemuths zu knüpfen, mit denen er sich bestrebt, grundlegende Postulate Schelers Vom jüdischen Standpunkt aus zu würdigen, d. 11. dieselben einem Vergleich mit den bezüglichen Richtlinien der jüdischen Auffassungsweise, wie sie in dem grundlegenden jüdischen Schrifttume und der jüdischen Religionsphiiosophie — hauptsächlich des Mittelalters — sich äußern, zu unterziehen. Umso eher halten wir dieses für unsere Pflicht, da Wohlgemuth bei seinem, von uns gewiß als löblich anerkannten Bestreben, das er in folgende Worte faßt: ״Unser Erbgut bleibt unberührt von den Stützen der Zeit. Aber so felsenfest diese Ueberzeugung in uns lebt, einer jeden jüdischen Periode erwächst die Pflicht, sich mit der geistigen Bewegung ihrer Zeit zu messen, den Aufgabenkreis zu erfüllen, wie es uns unsere großen jüdischen Religionsphilosophen vorgelebt,“ — also da Wohlgemuth bei diesem Vorhaben eben mit demjenigen Denker sich nicht trifft, den er selber vor Jahren als den ״jüdischsten“ unserer Denker nannte und der doch eben als solcher bei erwähntem Bestreben in Erinne-