Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 36)
- Belongs to
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145 ihm induktiv eine autonome Ethik zu errichten. Aber derartige Versuche sind bisher immer gescheitert. Sie tragen schon deswegen ihren Todeskeim in sich, weil die Medizin nur eine Säule des Baus darstellt; und die anderen Grund״ pfeiler nehmen ja ihr Material von einer auf deduktivem Wege gefundenen Wertbildung her. Nehmen wir zur Illustration wiederum die sexuelle Frage. ״Je mehr eine Frage, mag sie auch zunächst ׳von der sinnlich wahrnehmbaren Natur (״Physis“) ausgehen, zur transzendenten Uebernatur, in das Gebiet des ״Metaphysischen“ hinführt, je mehr Beziehungen zur ״Metaphysis“ mitsprechen, desto weniger kann die Natur* Wissenschaft allein eine klare und eindeutige Antwort geben. Es spielt zu vieles hinein, was jenseits und außerhalb jeder bloß menschlichen Erfahrung liegt: die Frage nach dem Verhältnis der Natur zur Uebernatur, nach!der Rechenschaft über unser Verhältnis zu Welt und Schöpfung, zu den letzten Grundfragen des Daseins. Wir müssen hier Stellung nehmen zu einer der größten ethischen Fragen der Menschheit!“ schreibt Niedermayer. (Wird fortgesetzt). Vom Unsinn des Lebens. Von Obermedizinalrat Dr. Joseph Weigl. Wo immer ich in den Schriften von Samson Raphael Hirsch lese, finde ich die goldene Wahrheit, daß die wahre Religiosität es ist, welche den Weg weist!zur gerechten Beurteilung des Nebenmenschen, zur ehrlichen Achtung seiner Ueberzeugung und damit zu jener rückhaltlosen Duldsamkeit, die zwisehen den Menschen Frieden stiftet. Die ganze Lebensarbeit des Großen war tätliche Ausprägung der Nächstenliebe. Auch da, wo Hirsch zufolge seines Amtes gegensätzliches Denken und Tun bekämpfen mußte, vergaß er der Liebe nicht Darum wohl hat der Ewige dieses seines Getreuen Willen gesegnet mit Unsterblichkeit. Bedeutsam, noch für unsere Zeit, sind die Gedanken, die Hirsch niederschrieb: sie lehren uns den Sinn des Lebens. Wie bedrückend ist dem gegenüber der Abstieg so vieler Menschen unserer Tage — nicht nur im deutschen Volkskreise -—Zu den Niederungen der Unduldsamkeit, Sowohl in den