Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 34)
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146 sidh vielleicht weniger bemerkbar bei der auf induktive Art arbeitenden biologischen Forschung.. In stärkerem Maße bedingen indes die nach deduktiver Methode forschenden .Wissenschaften, daß das Tatsachenmaterial in von vornherein bestimmter Richtung geordnet wird. ׳ Da ist zunächst die Soziologie. Hier hat sich ein jeder Forscher ein System zurechtgemacht, in das ,er alle Tatsachen einzureihen sucht. In gleicher Weise kann man eine vollendete Objektivität nicht mehr erwarten, wenn sich im Rahmen der Sozialhygiene ethisch-metaphysische Probleme dem Forscher aufzwingen. ״Wo die letzten Fragen des Daseins, die Frage nach Sinn und Zweck ides Lebens, die Frage nach der Verantwortlichkeit gegenüber einer höheren Macht hineinspielt,.da hört die voraussetzungslose Forschung auf, und da orientiert sich die Wissenschaft »ganz von selbst nach der Weltanschauung, also einem übergeordneten Gesamtbilde und Gesamturteil. Nach diesem werden dann die Tatsachen der reinen Erfahrungswissenschaft erst ihre Deutung erfahren.“ .(Niedermeyer). Damit wären wir schon in die Diskussion der zweiten Frage eingetreten: Warum ist es? Waren es bei der ersten Frage mehr die unbewußten Hemmungen und Leitmotive, die den einzelnen Forscher, die die einzelne Disziplin subjektiv bestimmte Wege gehen ließen, so treten bei der Frage nach dem Warum jschon bewußter die einzelnen Richtungen — je nach dem weltanschaulichen Ausgangspunkt — hervor. Ein Beispiel mag uns das klarmachen,. Der Geburtenrückgang, eines der schwierigsten sozialhygienischen Probleme! Der eine Volkswirtschaftler wird in dem Geburtenrückgang vielleicht eine Anpassungserscheinung an den verringerten wirtschaftlichen Lebensraum erblicken. Der andere wird ihm entgegenhalten, daß der ,Geburtenrückgang ja nicht eine Reaktkm auf wirtschaftlichen Druck sei, er hat in den begüterten Kreisen seinen Anfang genommen, in reiche Länder hat er in gleicher Weise seinen Einzug gehalten wie in verarmte. Da wird nun der Kulturhistoriker kommen und in dem Geburtenrückgang ein untrügliches Zeichen des sozialen Zerfalls, der drohenden Katastrophe erblicken, in Analogie zu dem sterbenden Hellas durch Autolyse des römischen Reichs. Ein Ethiker aber mag die tiefe Ursache in der einreißenden Sittenlosigkeit, in dem Fortfall der religiösen Hemmungen