Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 33)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2551369-2551370-2551374--1055-2552562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
145 bä rts auf die Sozialhygiene überträgt, so heißt dies in der Tat, jeden Einfluß ethisch-weltanschaulicher Natur aus dem Gebiet der Sozialen Hygiene zu bannen. Geben wir indes den Wegen der Forschung nach, so werden wir bald entdecken, daß dem Versuch, eine solche Wissenschaft allein auf medizinisch-soziologischer Basis zu errichten sich wesentliche Hindernisse entgegenstellen. Drei Fragen sind es, die die Sozialhygiene beantworten will: Was ist? Warum ist es? Was soll sein? Da ist zunächst die Frage: was ist? Es muß wissenschaftliches Material geschaffen werden, das über die Gesundheit des ,Volkes!orientiert, das die Schädlichkeiten erfaßt, die dem Volkskörper oder bestimmten Gruppen!innerhalb des Volkes drohen. Die Statistik kam uns ,lehren, welche Aus wirkungen gesundheitliche Vorgänge auf wirtschaftliche und andere soziologische Vorgänge;ausüben. Bei dieser ersten Frage der Sozialhygiene hat doch Sombart anscheinend Recht. Hier bestimmt doch die autonome ״voraussetzungslose“ Methode der Wissenschaft selbst ausschließlich das Ergebnis. Und doch hat Sombart nicht einmal hierin Recht. Erinnern wir uns der Gedankengänge Schroedingers, über die Grenzen voraussetzungslosen rorschens aut dem mathematisch-naturwissenschaftlichem Gebiete, und wir werden behaupten können, daß es in der Sozialhygiene kein ״voraussetzungsloses“ Forsehen geben kann, viel weniger noch als in der Mathematik. Denn die Sozialhygiene ist doch kein Gebiet ewigen Eises der persönlichen Uninteressiertheit. Denken wir nur an ,e i n Gebiet der Sozialhygiene: die Hygiene der menschlichen Fortpflanzung, und ein jeder von uns wird wissen, welche heißen Kämpfe der Fachleute grade auf diesem Gebiete ausgefochten werden, die letzten Endes auf weltanschauliche!Quellen immer wieder zurückzuführen sind. Gewiß die Tatsachen sind die gleichen. Aber die Fragestellung des einzelnen an das Tatsachenmaterial ist verschieden, und schon die!Gruppierung des Tatsachenmaterials ist oft ausschlaggebend für das Gesamtbild. So werden sich Differenzen ergeben je nach der Individual!- tät der Forscher,!je nach seiner Verankerung in dieser oder jener Disziplin. Denn die bereits erwähnte Vielseitigkeit der beteiligten Wissenschaften, läßt eine voraussetzungslose Ordnung der Tatsachen nicht zu.!Dies macht