Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 32)
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U4 Kultur, das sich mit dem Kreis der Sozialhygiene nicht irgendwo schnitte.* *) So tritt die Sozialhygiene immer mehr in den Brennpunkt des aktuellen Interesses und insbesondere rückt das Verhältnis der Sozialhygiene zur Weltanschauung immer mehr in den Vordergrund. Darum ist es die dankenswerte Leistung eines katholischen Gelehrten Dr. ׳Nieder- Bayer, daß er uns in zwei Schriften eine Einführung in diese Problematik bietet. Niedermayer besitzt durch seine vielseitige Vorbildung — jer ist Dr. dreier Fakultäten, und daß er auch in der vierten, in der Theologie bewandert ist, zeigen seine Arbeiten — besondere Eignung, zu der Sozialhygiene grundsätzlich Stellung zu nehmen. Die eine Arbeit führt den Titel ״Sozialhygiene, Moralhygiene, Kulturhygiene“1). Die zweite Arbeit heißt: ״Sexualethik!und Medizin, Wissenschaft und Weltanschauung“. Beide Schriften sind Kampfschriften gegen die bisher herrschende Theorie in der Sozialhygiene, diese will nämlich jeden weltanschaulichen Einfluß aus ihrer, auf rein medizinischer und soziologischer Basis beruhenden Wissenschaft ausschalten. Die Sozialhygiene ist ein Kind jener Zeit, in der man glaubte, eine jede Wissenschaft könne aus!sich selbst ihre Aufgabe und die Normen ihrer Tätigkeit bestimmen. Kein geringerer als Werner Sombart2) hat einmal, um die Unabhängigkeit aller Sozialpolitik von der Ethik!zu erweisen, die Frage aufgeworfen: ״Heilt ».denn etwa!der Arzt unter ethischem Gesichtspunkt, oder richtet der Hygieniker sein Handeln nach den Vorschriften der Ethik?" Ihr Ideal sei vielmehr in dem normal funktionierenden Körper!des Menschen zu erblicken, der, wenn er auch gewiß Träger sittlicher Ideen werde und sicher nicht absoluter Endzweck menschlichen Strebens zu sein brauche, doch für sie den einzigen Orientierungspunkt ihrer Kunst bilde. Wenn man diese Maximen Som- *) Grotjahn erwähnt in seinen grundlegenden Werken u. a. folgende zur sozialen Hygiene gehörigen Problemkreise: Ernährung, Genussmittel, Arbeit, Wohnung, Sehule, Verwaltung, Säuglingsfürsorge, Frauenkunde, Geschlechtskrankheiten, Tuberkulose, Entartung, Fortpflanzung, (massenpsychologische, religiöse, soziologische, vererbungswissenschaftliche, medizinisch-teebnische Voraussetzungen) Sozialpolitik, Statistik. *) Albert Niedermeyer. S. M. K. Karlsruhe 1931. Albert Niedermeyer, S + M. W + W. Hildesheim. ’) Zit. nach Franz Walter. Die Sozialhygiene in ihrem Verhält- «is -zur Weltanschauung und Ethik. Karlsruhe 1921.