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Nahalat tsevi · 1933-01-01 · Heft 4-5 (Januar 1933) · p. Seite 142

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 4-5 (Januar 1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 142 (sequence 30)
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142 Erkenntnis geführt, daß Anschauungs- und Gefühlswelt des Arztes bei der medizinischen Beeinflussung eine wesentliche Rolle spielt. Es genügt nicht etwa, daß der Arzt objektive Beobachtungsgabe und Kenntnisse als Grundlage seiner Tätigkeit besitzt. Heute wird wiederum die Forderung aufgestellt, daß — wie in früheren Zeiten — der Arzt als verstehender!und mitfühlender Mensch in seiner totalen ethischen und weitanschaulichen Persönlichkeit sich an die Persönlichkeit des Kranken wendet. Gewiß war diese Auffassung ärztlichen Handelns auch in den letzten Jahrzehnten nicht etwa vergessen, aber sie trat doch gegenüber der mechanistisCh'-laboratoriumsrnäßigen Anschauung in den Hintergrund. Heute hat die alte Auffassung des ärztlichen Berufs ihre Renaissance erlebt, und das konnte nicht ohne Einfluß auf die medizinische Wissenschaft bleiben. Umso notwendiger erschien diese Seelenbeeinflussung, als eine Vertiefung unseres Wissens vlon den psychophysischen Einflüssen stattfand. Uns sind heute eine ganze Reihe von organischen Auswirkungen des Seelenlebens bekannt. Wir kennen nicht nur den Einfluß, den starke seelische Erregungen auf körperliche Vorgänge haben können, wir wissen auch den positiven seelischen Gleichge- Wichtszustand als förderndes oder gar bestimmendes Moment für den günstigen Ablauf fast jeder organischen Erkrankung zu schätzen. Auf diese Zusammenhänge hat auch kürzlich Hofmann2 in unserem Kreise hingewiesen. Verbinden aber so zart geknüpfte Saiten das Seelische mit dem Körperlichen, so wird es Aufgabe des Arztes sein, diese Bindungen zu berücksichtigen, sich auf sie einzustellen. Dies mag besonders dann gelingen, wenn eine Konsonanz derseelischen Einstellung zwischen Kranken und Arzt besteht Die weltanschauliche Persönlichkeit des Arztes wird für die Therapie des Einzelfalls, aber auch darüber hinaus für die therapeutische Wissenschaft von wesentlicher Bedeutung sein. An dem Beispiel der jüdischen Auffassung von Krankheit und Therapie läßt sich dies leicht illustrieren. Die Krankheit als göttliche Schickung bedingt nicht etwa fatalistische Ergebenheit in das Geschick. Das Judentum verlangt Kampf gegen die Krankheit, Schutz der Gesundheit. ״Nur *) Willi Hofmann, ״Israelit“ Nr. 47 S. 10 1932.

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