Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 29)
- Belongs to
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141 daß durch internationale Zusammenarbeit der Wissenschaft manche Fehlerquelle ausgeglichen wird. Dennoch unterliegt die Forschung der weltanschaulichen Qesamteinstellung des heutigen Geschlechts, in der alle einzelnen Forscher befangen sind. So sind bei bestem Willen zur Objektivität für ״vorurteilsfreie“ ,Wissenschaft die Grenzen gesetzt. Was von der Mathematik gilt, trifft in noch höherem Maß« auf die Naturwissenschaften zu. Die Brücke zwischen den Geistes- und Naturwissenschaften wird durch die Physik gebildet. Hier ist durch die Arbeiten Plancks darauf hingewiesen, daß die kausalen gesetzmäßigen Zusammenhänge der physikalischen Erscheinungen einer Stützung durch weitanschauliche Betrachtung bedürfen. Auf weit schwankenderem Boden ruht das Gebäude der Biologie. Das Wunder des Lebens ist bis heute ungeklärt. Wir kennen zwar eine große Reihe von Funktionen des lebenden Eiweiß und der Organismen, aber das eigentliche Wesen dieser Lebenserscheinungen ist uns im Grunde noch unbekännt, über seine Entstehung existieren nur vage Vermutungen. So ist dieser theoretische Teil der Biologie ein Tummelplatz mehr oder (minder gut gestützter Hypothesen. Während 2, B. Plate in seinem ,neusten Werke den ״Lamarckismus“ durch den Nachweis der Vererbung erworbener Eigenschaften als erwiesen ansieht, betont zu gleicher Zeit ider Dahlemer Biologe' Hartmann, daß durch das Experiment die Idee des Lamarckismus überwunden sei. Welche Stellung der Forscher zu dieser Theorienwelt einnimmt, wird von seiner Sinnesart, ebenso aber auch von seiner weltanschaulichen Haltung abhängen. Von der Biologie führt ein direkter Weg zur Medizin, die man vielfach als angewandte Biologie betrachtet. In der Medizin ist im letzten Jahrzehnt eine grundlegende Wesensänderung zu bemerken. In doppelter Weise sind hier Berührungspunkte mit der Ethik und Weltanschauung entstanden oder zumindest verbreitert worden. Die alte mechanistische Auffassung der Pathologie der Organe ist einer Pathologie der Person gewichen, und so achtet man mehr als früher darauf, daß bei jeder ernsteren Erkrankung die seelische Komponente mitschwingt, und der Arzt ist genötigt, immer wieder den seelischen Status sich vor Augen zu führen und zu berücksichtigen. So hat die Entwicklung zu der zweiten