Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 28)
- Belongs to
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140 senschaftstypen zur Weltanschauung erwünscht sein. Der Querschnitt der gegenwärtigen Situation sei drum kurz skizziert. Noch vor wenigen Jahrzehnten erhob die Naturforschung den Anspruch, auf rein induktivem Boden ein Weltbild zu schaffen. Dieses Stadium der Ueberhebung der Naturwissenschaft ward durch Erkenntnis und Anerkennung der Q r e nzen des wissenschaftlichmathematischen Denk e n s überwunden, und der ernste Naturwissenschaftler wird heute keine Weltanschauung auf Erfahrungswissen aufzubaüen unternehmen. Heute ist das Pendel auf die Gegenseite geschwungen. Heute bemerken wir überall in den Geisteswissenschaften Bestrebungen der Einführung ethischer und anderer weltanschaulicher Elemente. In der Philosophie selbst werden die materialistischen Strömungen, die kraft induktiver Forschung zu einem Weltanschauungssystem gelangen wollen, zurückdrängt. In der Rechtswissenschaft macht sich eine interessante Entwicklung geltend. Vor nicht allzu langer Zeit wurde hier vollkommene Trennung von Recht und Ethik gefordert: die Rechtswissenschaft habe die Aufgabe nur das ״reine Recht“ zu berücksichtigen. Dem jüdischen Recht ward vorgeworfen, daß es diese Scheidung nicht scharf durchführe, daß es mit ethisch-weltanschaulichen Grundsätzen durchsetzt sei.1) Allmählich aber entpuppte sich im modernen Recht das summum ius als summa iniuria. Die ״Billigkeit“ wurde in dem Gesetz stärker verankert, der Begriff der ״guten Sitten“ kann heute aus der Rechtssprechung nicht mehr herausgeschnitten werden, und so hat auch hier die ״ethische Komponente“ Bürgerrecht erworben. Bis in die eisigen Sphären der Mathematik ist ein Einfiuß der Weltanschauung gedrungen. Der bedeutende Mathematiker Schroedinger hat kürzlich auf diese subjektive Note der mathematischen Forschung hingewiesen. In dem weiten noch unerforschten Gebiet der mathematischen Probleme sucht ein jeder Forscher die seiner Eigenart entsprechenden Wege und gelangt so in einer gewissen subjektiven Einseitigkeit zu Ergebnissen, die eine persönliche Note tragen. Diesem Subjektivismus wird zwar dadurch begegnet, ף S. R. Hirsch, Comm. zu Deut. VI, 18.