Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 27)
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139 Sozialhygiene und Weltanschauung. Von Dr. med. Jacob Le vy-B erlin. I. Einleitung. Wissenfchaft und Weltanfchauung. Ein Querfchniii. Die geistige Epoche S. R. Hirschs wollte ein Schisma zwisehen Glauben und ,Wissen auf richten: in der Welt der Wissenschaff herrsche allein der menschliche Verstand, die religiöse Weltanschauung sei eine Domäne des Gefühls. Einer derartigen Spaltung menschlichen Seelenlebens trat S. R. Hirsch entgegen. Die jüdische Weltanschauung beruht nicht auf Glaubenssätzen, die dem Verstände widerstreben, und wissenschaftliches Forsehen kann ohne weltanschauliche Basis kein Weltbild ergeben. Die Zeiten haben sich geändert. Heute nähert sich die Wissenschaft immer mehr der Auffassung S. R. Hirschs. Wenn im Folgenden gezeigt werden kann, wie weltanschauliche Eiemente in die Regionen der Wissenschaft eindringen, so ist dies ein Hinweis auf die zeitliche Unabhängigkeit des Werks unseres großen Meisters. Drum mag die nachstehende Arbeit in diesem Heft der Erinnerung an S. R. Hirsch ihren Platz finden. Das Thema Sozialhygiene und Weltanschauung mag maneben Leser frappieren. Sind diese Begriffe! nicht inkommensurable Größen, liegen sie nicht gewissermaßen auf verschiedenen Ebenen? Die Sozialhygiene als Teilgebiet der Medizin — eine Domäne nüchternen Verstandes. Wie bei allen Natur- Wissenschaften sind ihre Voraussetzungen irdischer Art, ihre Methode das induktive Forschen. Die Weltanschauung steht dazu in gegensätzlicher Haltung. Zwar will Weltanschauung den Verstand des Menschen keinesfalls ausschalten, doch gewährt sie Zulaß dem Quell des Gefühls. Auch das auf der Basis der Erfahrung und der Beobachtung gewonnene Material wird von der Weltanschauung nicht negiert, es wird ihm nur ein Platz angewiesen, der ihm nach dem deduktiv abgeleiteten System zukommt. Und der Ausgangspunkt dieses Weltanschauungs-Systems wird in der Regel jenseits von der Erfahrungsweit im Transzendentalen liegen. Um eine Antwort auf diese Fragen zu geben, wird ein tieferer Einblick in die Beziehungen der Verschiedenen Wis-