Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 4-5 (Januar 1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 10)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2551369-2551370-2551374--1032-2552539- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
122 den und Stimmungen nicht so verwachsen sein, daß wir die Sehnsucht nach dem Moschiach als ein dem sogenannten ״modernen Bewußtsein“ gewaltsam aufgepfropftes romantisches Dogma beseufzen. Mit Romantik hat dieser Glaube und diese Sehnsucht nichts zu tun. Wer hier an Romantik denkt, leugnet nicht bloß die historische Sachgemäßheit der Propheten, sondern versündigt sich1 auch an der Wahrhaftigkeit der תורת משה, deren Aussprüche über den Moschiach nicht zu unverbindlicher Poesie verflüchtigt werden dürfen. f Das Wunderbarste am Moschiach ist die von Wundern im engeren Sinne freie Art, wie er seine göttliche Sendung begläubigen wird. Nicht äußere Wunder, wie Totenbelebung und dergl.!werden!es sein, die ihm den vorgezeichneten Weg bahnen werden, sondern die gleich Wundern wirkenden überwältigenden :Zeichen seiner machtvollen Persönlichkeit, der das bis dahin Unmögliche gelingen wird, das Reich Gottes auf Erden zu begründen. Auch Bar Kochba, zu dessen Gläubigen eine Zeitlang auch ein Mann wie Rabbi Akiba zählte, war kein Wundertäter. Nur seine außergewöhnliche Persönlichkeit war es, der das unerhörte Wunder gelang, sich für eine Weile die Gefolgschaft eines Teiles der damaligen Weisen zu erzwingen. Welche Z eichen sind es aber, die den Moschiach legitimieren werden? Er wird erstens vom Hause Davids abstammen müssen. Diese Forderung verpflanzt den Adel des Blutes als eine lebenskräftige Idee in die messianische Zeit. Wir sind gewohnt, auf Kosten des Gedankens der Vererbung, der uns sehr reaktionär vorkommt, nur das, was schöpferische, ihre Größe aus sich selbst erzeugende Persönlichkeiten leisten, als wahrhaft groß und wertvoll zu betrachten. Durch das Moschiachdogma werden wir belehrt, daß nicht bloß physische, sondern auch geistige Persönlichkeiten in der Familie wurzeln; daß die Bibel nicht umsonst das ewige Volk als eine Gruppe von Familien schaut; daß der Blutsadel ein Kerngedanke der jüdischen Anschauung ist, der in der messianischen Zeit zu neuem Leben erwacht. Zweitens wird der Moschiach ein Mann sein müssen, der gleich seinem Ahnherrn David in die Tiefen des Thoraworts sich zu versenken versteht und ihm auch in der praktischen Erfüllung des Religionsgesetzes ebenbürtig ist. Auch in diesem Punkte erfahren gewisse landläufige Anschauungen eine sehr notwendige Korrektur. Wir haben nämlich über das Verhältnis