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Nahalat tsevi · 1932-12-01 · Heft 3 (Dezember 1932) · p. Seite 113

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 3 (Dezember 1932)
Date
1932-12-01
Page
Seite 113 (sequence 53)
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113 det an. Der ganze Fortschritt des menschlichen Geistes ging dahin, die Wahrheit vom Himmel auf die Erde herabsteigen zu lassen. Der Anfang hierzu ging von der Wissenschaft aus, die sich vom Geiste der Religion befreite. Die Soziologie ist zur positiven angewandten Wissenschaft ge״ worden, für die Gerechtigkeit nichts anderes ist als wissenschaftliche Tu״ gend. Recht deutlich die wenigen, apho״ ristischen Zeilen von Gottfried Benn, die als religiöses Bekennt״ nis sein gesamtes dichterisches Werk charakterisieren: ״Ich huldige dem Fanatismus zur Transzendenz, in der Unbeirrbarkeit, jeden Materialismus historischer oder psychologischer Art als unzulänglich für die Erfassung und Darstellung des Lebens abzu״ lehnen“. Den Inhalt eines guten Buches wie־׳ derzugeben ist immer ein Unrecht am Verfasser. Gegen diesen Grund״ satz verstoßen zu wollen, würde gleichzeitig ein Unrecht gegenüber dem Verlag bedeuten, dem für diesen Sammelband aufrichtiger Dank gebührt. Er vermittelt uns einen Aus״ schnitt aus der geistigen Struktur un״ serer Zeit, mit der wir Juden zu sehr verknüpft sind, als daß wir acht״ los an diesem Werk vorübergehen dürften. HARRY ABT Der Sohar. Nach dem Urtext herausgegeben, von Ernst Müller, Wien 1931. Verlag Dr. Heinrich Glanz. Der bekannte Forscher auf dem Ge״ biete der Kabbala hat mit dieser neuesten deutschen Ausgabe des Sohar einen weiteren Schritt zur Er״ Schließung jener ״mystischen Welt“ des Judentums unternommen. Von vornherein muß vorweggenommen werden, daß die Auswahl der Texte eine vortreffliche ist, daß die Sichtung und Einteilung nach Materie und In״ halt ebenso zuverlässig wie über״ sichtlich ist und daß vor allem die Uebersetzung sich durchweg geradezu meisterhafte Sprache auszeichnet. Das ganze Buch sowohl in seiner An״ läge als in seiner Sprache und nicht zuletzt in seinen Aufschluß gebenden Anmerkungen atmet den Geist der tiefen Ehrfurcht vor der Erhaben״ heit des Stoffes, den der Ver״ fasser schon in seiner Einleitung erkennen läßt, wenn er verlangt, daß der Bergriff der Magie, der auf die kabbalistische Weltanschauung ange״ wandt wurde, durch den der Heiligkeit ergänzt werde, um ״die men״ schenumwandelnde Macht des mosaisehen Religionssystems in den Zeiten des alten Tempels richtig zu würdigen.“ Gleichwohl kann bei der Beurteilung dieses Werkes die prinzipielle Grundfrage, inwieweit die Kabbala popularisiert werden soll, nicht über״ sehen werden. Selbst eine so glänzende Uebersetzung, wie die vorlie״ gende, wird schwerlich in der Lage sein, eine klare und geschlossene Anschauung vom Weltbild der Kabbala, von ihrem einheitlichen Denken und Wollen, Empfinden und Streben zu vermitteln. Das liegt nicht am Verfasser, sondern am Stoff. Es ist an anderer Stelle dieses Heftes versucht worden, zu zeigen, auf welchem ganz anderen Weg ein tieferes Eindringen in diese, unserem Denken so fremde Gedankenwelt angebahnt werden kann. Unabhängig hiervon besteht aber der bleibende Wert dieser Publikation nicht zuletzt darin, daß sie außer jüdische und auch gewisse jüdisehe Kreise darüber aufklärt, daß die״ ses ״Geheimbuch“ der Kabbala keine höchst verdächtigen, revolutionären Geheimgesetze enthält, sondern aus״

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