Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1932-12-01 · Heft 3 (Dezember 1932) · p. Seite 112

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 3 (Dezember 1932)
Date
1932-12-01
Page
Seite 112 (sequence 52)
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2551369-2551370-2551373--1013-2552519
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

112 Liberalismus dies nicht vermag, ist klar, da ihm bekanntlich jeder positive Inhalt fehlt. Wenn nun die Berliner Gemeinde glaubt dem religiösen Indifferent ismus ihrer Mitglieder dadurch mit Erfolg entgegenzuarbeiten, daß sie dem nichtjüdischen Schriftsteller Heinrich Mann oder Prof. Einstein (welcher sich offen zur Leugnung des jüdischen Gottesbegriffes bekannte) die Kanzel der Synagoge Prinzregentstr. einräumte, so wird sie bald auch darin eine Enttäuschung erleben. Beide Herren dürften nicht geeignet sein, über die Veranstaltung ihrer Vorträge hinaus für den Synagogenbesuch zu werben. Daß der Besuch dieser Vorträge eine jüdisch religiöse Tat sei, wird wohl der Berliner Vorstand kaum annehmen. Bücherschau. Dichterglaube, S immen religiösen Erlebens. Der Eckart-Verlag in Berün-Steglitz, Herausgeber der ״Blätter für evangelische Geistes-Kultur“, hat sich an eine große Anzahl europäischer Dichter gewandt mit der Bitte, ihre Stellung zur Religion darzulegen. 90 Autoren haben geantwortet, darunter die größten Namen der Gegenwart. Was sie sagen, ist nicht ein Hinweis auf einzelne Stellen in ihren Dichtungen. Sie alle schreiben ad hoc. Dadurch gewinnt die Sammlung an Wert, sie verliert ihn aber gleichzeitig, da die Mehrzahl der Dichter unter dem Zwange der Aufforderung schrieben und zuweilen Stellungnahme und Klarheit Vortäuschen, wo in Wahrheit Belanglosigkeit und Phrase herrscht Die Beiträge sind auf fast 400 Seiten alphabetisch geordnet, von Paul Alverdes über Henri Barbusse, Alfred Döblin, Ricarda Huch, Thomas Mann, Romain Rolland, Frank Thiess bis zum exkommunizierten schlesischen Dichter Joseph Wittig. Diese alphabetische Reihenfolge stört, statt der Buntheit und Vielfältigkeit der Bekenntnisse wie Meinungen wäre eine Ordnung nach gleichgerichteter Anschauung vorteilhafter gewesen. — Aber instruktiv ist die Lektüre, zumal dann, wenn der Leser sich klarzumachen versucht, ob Eitelkeit oder Scham dem Dichter beim Bekennen die Feder geführt hat. Von jüdischen Autoren äußern sich Martin buber und Ernst Toller, jener vollkommen unverständlich, dieser zynisch-materialistisch: Wie er als Kind die מזווה abreißt, glaubt, den lieben Gott zerschlagen zu haben, wie er ihn in die Sofafalte zwischen Lehne und Polster begräbt, wie aber im späteren Leben er immer kämpfen muß gegen die Formen, in denen der zerschlagene Gott trotz allem wieder erscheint. ״Mir scheint, das Ende der geoffenbarten Religionen ist gekommen. Die letzte und unbedingte Hingabe an die Idee, Bereitschaft zum Absoluten und Opfermut finden sich heute nicht mehr in den Kirchen, man findet sie in den Reihen der werktätigen Völker, die um eine wahrhaft gerechte Gesellschaftsordnung, um das Sakrament der Erde ringen“. Aeußerst sympathisch die Darlegungen von Alfons Paquet, einem der wenigen, die sich — unter Hinweis auf das Judentum — darüber klar sind, daß der Begriff Religion als Anschauung nur allzu oft mit dem der Religiosität als Stimmung verwechselt wird. Henri Barbusse sieht die Rolle der Religion als been-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.