Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 102 (sequence 42)
- Belongs to
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102 schlagen, seine Anhänger mit unserem Volk aufs neue zu verbinden. Aber Hirsch ist tot, und die nach ihm kamen, sind nicht dem Leben zugewandte Fortsetzer, sondern kleinmütige Nachbeter. Ein einziger von ihnen fühlte die Notwendigkeit schöpferischer Weiterentwicklung, doch war er nicht stark, nicht fest, und nicht konsequent genug, urn rechtzeitig den Forderungen der Stunde voll und ganz zu entsprechen. So ließ er sich von den Ereignissen immer wieder überholen, lief ihnen nach, statt voraus, verpaßte alle Gelegenheiten und erreichte letzten Endes nur eine höchst empfindliche Schwächung der unabhängigen Orthodoxie, ohne ihre wachsende Ausschaltung verhindern zu können. Alfred:- Bernheim: Wenn heute Hirsch wiederkäme: was würde er denn antreffen? Einen Liberalismus, der in blindwütigem Haß gegen die Thora kämpft und alles, was sie fordert? Der Zion rund Jeruschalajim mit Stumpf und Stiel aus dem Herzen und dem Gedächtnis der Jugend ausrotten möchte? Froh erstaunten Blickes würde er wahrnehmen, daß der Liberalismus unserer Tage längst in die Defensive gedrängt, daß er dem Doppelansturm der Gesetzestreuen und der Zionisten ausgesetzt ist, daß wir nicht mehr im Zeitalter des Niedergangs sondern im Zeitalter des Aufbaus leben, daß die Thora, Schritt für Schritt, den Boden zurückgewinnt, den sie einstmals verloren hatte. Meinen Sie wirklich, er würde heute, durch ein Wunder uns zurückgegeben, seinen Platz im Schmollwinkel der unabhängigen Orthodoxie einnehmen? So ,komisch es vielleicht auch klingen mag: Nicht die unabhängige Orthodoxie in ihrer offenkundigen Gestrigkeit: vielmehr — ich, ich bin der wahre und eigentliche Erbe von Samson Raphael Hirsch! Alfred:- Bernheim: Gewiß, meine Gemeinde ist nicht thoragemäß. Warum es leugnen? Noch ist auch die Zeit nicht abzusehen, wann sie es einmal sein wird. Der Liberalismus wird einstweilen nicht darauf verzichten, daß auch ihm das Seine werde. Unter den Stößen der Gesetzestreuen und der ,Nationalisten mag er sogar mit gesteigerter Eifersucht darüber wachen. Ich' weiß nicht einmal, ob ich es wünschen sollte, daß er einen solchen Verzicht leiste. Es geschähe ja nicht aus berechtigter Ueberzeugung, sondern wäre lediglich ein Symptom gesteigertster religiöser Indifferenz, und unsere Angriffe fielen ins Leere. -•ד5י ־>..״■* ־_»- . —v.