Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 99 (sequence 39)
- Belongs to
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99 man jedoch mit dieser negativen Entscheidung sich nicht zufrieden geben, so läßt sich alles in allem vielleicht behaupten, daß für den Kadimah, wie er heute dasteht, der Sozialismus weniger eine ökonomische als eine ethische Forderung bedeutet. So gehen denn die beiden Bünde, ursprünglich von ganz entgegengesetzten Polen aus sich entwickelnd, heute fast den gleichen Weg. Einen wichtigen Platz in den gegenwärtigen Diskussionen beider Gemeinschaften nimmt die Frage des Ichud (Vereinigung) ein. Prinzipiell spricht sich der Kadimah für eine Kooperation aus, und er selbst hat diese nötig, da ihm als einer rein deutsch-jüdischen Jugendbewegung bisher der Kontakt mit dem jüdischen Osten fehlte. Und die Entscheidung zur Zusammenarbeit wird für ihn um so leichter sein, je mehr der Brith Haolim in der ,Auseinandersetzung Zionismus — Sozialismus den Nationalismus siegen läßt. Die Beschlüsse auf der letzten Führertagung des Brith Haolim3) zeigen hier den Weg. Wenn es gestattet ist, eine Prognose zu stellen, so ist es die, daß über kurz oder lang Kadimah und Brith Haolim sich zu einem Bunde vereinigen. Es sei denn, daß der Kadimah das Stadium der Auseinandersetzung Sozialismus — Zionismus, das der Brith Haolim hinter sich hat, nicht überspringt, sondern es ebenso intensiv neu erlebt und dadurch der neuen Gefahr einer ״roten Assimilation“ erliegen könnte. VII. Das Bundesorgan ist seit dem Jahre 1929 der ״Haschomer, Aelteren-Blatt des Kadimah“, dem bis zum vorigen Jahre fast ausschließlich Walther Mecklenburg sein Gepräge gab. Im Mittelpunkt der Erörterungen standen zunächst Artikel über Scouting, sie wurden dann abgelöst durch die Debatten über den Zionismus. Einen breiten Raum nehmen die Buchbespredrangen ein, die sich auf einem erstaunlich hohen Niveau halten. Man müht sich auch ab um Fragen der religiösen Form und zeigt Interesse für die geistigen Probleme der deutschen Orthodoxie (Isaac Breuer). In Berlin gab es bis vor einem Jahre einen Zug des Kadimah, der sich wohl mit Recht als orthodox bezeichnen konnte. Die Frage der Tradition wird behandelt und dabei dem Rationalismus des liberalen Judentums eine deutliche Absage 8) Mitgeteilt im Jahrgang III dieser Zeitschr. S. 29.