Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 79 (sequence 19)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2551369-2551370-2551373--0980-2552486- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
7» setzen ,und Abscheu eines jeden Verständigen und ,Wohlgesinnten hervorgekehrt, daß man nur die Wahl hat, ob man ihn verachten oder bedauern will. In diesem Pfuhl von Trivialität, Gemeinheit und albernen Spässen, in welchen sich der Verfasser, der die fast unausbleibliche Metamorphose aus dem Phantasten in den Fanatiker hindurchgemacht, so seelig wälzt, tiefer einzudringen, ist eines jeden gebildeten 'Menschen unwürdig/‘ Ist das die wissenschaftliche Methode, die für die liberalen Rabbiner vorbildlich sein soll? Was strebte Geiger als Organisator an? Nicht ■mehr und nicht weniger als die Bildung von Austrittsgemeinden. Freilich nicht in der Form!, daß die beiden religiösen Richtungen gleichberechtigte Gemeinden bilden sollten. Geiger verlangte vielmehr im Gegensatz zu Gabriel Rießer, daß die orthodoxen Talmudjuden vom Staate nicht emanzipiert werden sollten, die andern aber sollten für ihre Emanzipation vom Talmud auch mit der bürgerlichen Emanzipation belohnt werden. So schreibt Geiger an Rabbiner Ullmann in Koblenz: ״Die Juden eines ganzen Staates, die sich im Herzen vom Talmud losgesagt haben, sollen auch laut dasselbe tun und von ihrem Staat :die Erlaubnis zur Bildung einer besonderen Gemeinde fordern. Wenn wir diesen ungestalten und uns entstellenden Koloß (d. h. den Talmud) abgelegt haben, dann können wir auf bürgerliches und religiöses Wohl mit gerechter Hoffnung blicken... Einen Aufsatz derart, der die Nachteile hervorhebt, welche die gewaltsame Verbindung dieser zwei so getrennten Teile hervorbringt, sowohl auf das religiöse und sittliche, als auch bürgerliche Leben der nichtgläubigen Juden, jedoch letzteres in geringerem Maße betont, weil esudann fast bloßer Eigennutz und nicht wahrhaft religiöses Streben sein könnte. Ein solcher Aufsatz, sage ich, in ein Mainzer Blatt eingerückt, wird gewiß auch seine Wirksamkeit nicht verfehlen.“ Auch Gabriel Rießer, der keineswegs orthodox war, hatte für solche Pläne kein Verständnis. Er schreibt: ״Nichts von Ausnahmen und Bedingungen! Schande