Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- Seite 75 (sequence 15)
- Belongs to
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75 Voraussetzungen des Innenlebens streben ja doch alle Nationen irgendwie danach, für das Uebersinnliche einen Ausdruck zu finden. Die Art und Weise, wie sie diese Sehnsucht nach dem Uebersinnlichen verwerfen oder befriedigen, das ist eigentlich der Inhalt und die Eigenart der nationalen Kulturen. So ist es eigentlich geschichtliche Notwendigkeit, daß in dem Völkerbund von heute die Judenheit keinen Platz hat Sie sollte ihn selbst dann nicht beanspruchen, wenn sie etwa im Sinne der modernen Begriffe ein wirtschaftliches oder territoriales nationales Einheitsgebiet hätte. Denn ihre Aufgabe ist es, in ihrer nationalen Kultur, von der man so viel tönende Worte spricht, in ihrer Sprache den Mächten und der Macht die Ewigkeit entgegenzustellen. Auch sie ist unterwegs, aber׳ an erster Stelle zu dem von Zephanja gezeigten Endziel. Noch immer versuchen es die Nationen, Trutztürme zu errichten, die Judenheit aber richtet das Auge gen oben. Es sind allweil die Erben der Sinearidee, die das nicht ertragen. Aber je mehr die Sehnsucht nach dem Irrationalen gelebt wird, desto mehr vertieft sich der Inhalt der aufhorchenden nationalen Kulturen, und je mehr sich diese einem gemeinsamen Ideale nähern, desto inniger ringen sie nach gemeinsamem Ausdruck, und das wird eine eindeutige, klare Sprache sein. Das ist der Weg aus der Senkung Sinear nach der Höhe Zion. P. K. Tagungen deutscher Rabbinerverbände im Zeichen Abraham Geigers. Von Dr. Salomon Ehr mann. Im Sommer des Jahres 1832 bewarb sich Abraham Geiger ohne Erfolg um das Rabbinat der Gemeinde Hanau. Infolgedessen bewarb er sich dann um das Rabbinat in Wiesbaden, wo er am 15. November 1832 sein Amt antrat. Man sollte vermeinen, daß dies lediglich eine historische Notiz ohne Gegenwartsbedeutung sei, doch dies trifft nicht zu. Es stellte sich 100 Jahre später, im November dieses Jahres heraus, daß es eine außerordentlich günstige Fügung des Schicksals war, daß Abraham Geiger gerade in Wiesbaden seinen ersten Rabbinatssitz bekleidete. Es wurde nämlich dadurch, daß Wiesbaden in nächster Nähe von Mainz liegt und