Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 63 (sequence 65)
- Belongs to
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63 Herrn Dr. Hofmann eine tief schmerz״ liehe Enttäuschung bereiten. Herrn Dr. Hofmann ist die Frankfurter konser״ vativ-iiberale Gemeinde eine ״Mutter- und Mustergemeinde in Israel“. Zwar unterhält die Gemeinde auch heute noch, fünfzig Jahre seit Gründung der Synagoge am י Börneplatz, zwei Orgelsynagogen mit vom jüdischen Gesetz verbotener Liturgie; zwar räumt sie auch heute noch Herrn Dr. Seligniann, dem rühmlichst be״ kannten Verfasser der ״Richtlinien“, dem man neulich erst zu seinem Jubiläum herzlichst gratulierte, die Kanzel ein, damit er die Gemüter für ״sein“ Judentum gewinne; zwar ist immer noch dem Philanthropin die Erziehung der Kinder anvertraut, dessen Direktor bei seiner Amtseinführung das Weilen jüdischer Kinder unterm — Weihnachtsbaum als Beglückung pries; zwar ist im Laufe dieser fünf״ zig Jahre in der konser vativ״liberalen Gemeinde das aktive und passive Wahlrecht der Frauen durchgeführt: Herr Dr. Hofmann bescheinigt gleich״ wohl dieser Gemeinde, daß sie eine ״Mutter- und Mustergemeinde in Israel“ sei und daß die Synagoge am Börneplatz, wie er bescheiden sagt, lediglich ״ein Erhebliches dazu beigetragen“ habe, ihr diesen Ruf ״zu erhalten“. Für Herrn Dr. Hofmann ist es also ״musterhaft“, Herrn Köllegen Seligmann lehren und wirken zu lassen, wenn er nur selber daneben ein Gleiches tun kann. Eine Gemeinde, die Orgelsynagogen mit thorafeindlichen Liturgien unterhält und thorafeindiiche Geistliche Kidduschin und Gittin vornehmen läßt, ist für Herrn Dr. Hofmann, so sie ihn nur selber einigermaßen gewähren läßt, eine ״Muttergemeinde in Israel“, der er also von ganzem Herzen wünscht, sie möchte in Israel recht viele Tochtergemeinden haben, die den Abfall und die Gesetzestreue mit gleicher Kunstfertigkeit zu verbinden verstehen. Ein Rabbiner, dem eine solche Gemeinde nicht etwa eine fürchterliche Konzession an die Schwäche der Zeit, sondern eine ״Mutter- und Mustergemeinde in Israel“ ist, der mag ein überzeugter — Zionist sein: mit der von Gottes Thora beherrschten ewigen Nation hat er, bei aller individuellen Gesetzesbetätigung, nichts gemein. Ein anderes Jubiläum, dasjenige des 25 jährigen Bestehens der zweiten Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft, Frankfurt-M. fiel in die dritte Ellul-Woche. Aus diesem Anlaß wurden von Seiten der Rabbiner- Hirsch-Gesellschaft ״Gedenkblätter“ herausgegeben, welche in hebräischer Sprache und deutscher Uebersetzung die Dokumente, die in den Grundsteinen der beiden Synagogen niedergelegt wurden und in knappen, aber eindrucksvollen Worten die Geschiehte der Gemeinde enthalten, wiedergeben, ferner die Reden, die Rabb. Salomon Breuer anläßlich der Grundsteinlegung und Einweihung der neuen sowie beim Verlassen der alten Synagoge hielt. Die Broschüre, welche sicher weit über den Kreis der Gemeinde hinaus Interesse finden wird, ist durch das Büro der Rabbiner- Hirsch-Gesellschaft, Frankfurt a. M., Hanauerlandstr. 15 zu beziehen. Bücherschau. M. Blau, Jerusalem, Verlag Kol Jisroel, Jerusalem, 105 Seiten. Eine Biographie des verklärten Rabbi Josef Ch. Sonnenfeld soll es sein, ein weitausholender