Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 62 (sequence 64)
- Belongs to
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62 und Breites zu hören bekam, ohne daß auch nur eine Stimme da war, welche wenn auch noch so schüchtern es gewagt hätte, davon zu sprechen, daß letzten Endes Gottes Beistand die unerläßliche Voraussetzung für die Erhaltung des jüdischen Volkes sei, wie dies sichtlich unsere Geschichte dokumentiert. Vom Golus des jüdisehen Volkes war die Rede, das Golus aber der Gottesherrlichkeit auf Erden — das גלות שכינה — wurde totgeschwiegen. Dasjenige, was Stefan Wise und seine Gesinnungsgenossen ignorierten, hat aber in eindrucksvoller Weise Bundespräsident Motta in seiner Rede anläßlich der 600jährigen Zugehörigkeit des Kantons Luzern zur Schweizerischen Eidgenossenschaft am 12. September zum Ausdruck gebracht, wenn er sagt: ״An jeder Berufung eines Volkes in der Menschheit und in der Weltgeschichte haftet ein religiöses Eiement. In seinen Schicksalsstunden weht es jedesmal durch das Land wie ein übernatürlicher Hauch. Gott waltet in unserer wunderbaren Natur; er spricht zu uns in den strahlenden Firnen, die uns nach oben ziehen; er war mit unseren Vätern zu Anbeginn; er wird mit unseren entferntesten Nachkommen sein, bis die Bestimmung der Schweiz in der Welt voll erfüllt sein wird.“ Auch die praktische Konsequenz solcher Anschauung, welche weiterhin von Bundespräsident Motta gezogen wurde, verdient heute weiteste Verbreitung: ״In schroffsten Gegensatz zum Geiste der Demokratie würden sich diejenigen setzen, die eigene Mitbürger ihrer Konfession, Sprache, Abstammung oder Standes wegen geringschätzen würden. Die in jüngster Zeit hie und da zum Vorschein kommenden Versuche zu einer Judenhetze sind daher unschweizerisch. Ebenso utischweizerisch sind die Leidenschalten eines überspannten Nationalismus.“ Das fünfzigjährige Bestehen der konservativen Synagoge der Frankfurter konservativ-liberalen Gemeinde feiert ihr Rabbiner Dr. Hofmann in der Septembernummer des Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatts in einem Festartikel, der wie folgt schließt: ״So darf also ein Zweifaches ausgesprochen werden. Die Synagoge am Börneplatz hat während ihres halbhundertjährigen Bestehens ein Erhebliches dazu beigetragen, der Frankfurter Gemeinde den Ruf einer Mutter- und Mustergemeinde in Israel zu erhalten. Und darüber hinaus hat sie in nicht geringem Maße die gemeindepo!i;ischen Orientierungeii und die Gestaltung der Gemeindeverhältnisse im Geiste des geschichtlich überlieferten Judentums in manchen Kreisen der deutsehen Judenheit beeinflußt.“ Wer bisher des Glaubens war, daß die konservativen Rabbiner der Reformgemeinden gewissermaßen ״vorgeschobene Posten“ der Orthodoxie seien, die gegen die neologen Institutionen ihrer Gemeinde mit glühend jüdischem Herzen kämpften, diese neologen Institutionen als eine Schmach der Thora empfänden, und sich von der unabhängigen Orthodoxie nur dadurch unterscheiden, daß diese wenn auch im engeren Kreise das verwirkliche, was sie selber als unverrückbares Ideal bei ihrer ganzen Wirksamkeit fortgesetzt im Auge behielten, nämlich die völlige Herstellung der Herrschaft der Thora über die jüdische Gemeinde: — wer bisher solchen Glaubens war — dem muß die festlich trunkene Offenheit des