Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 59 (sequence 61)
- Belongs to
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59 zieht in die Fremde. Am Orte X macht er halt und läßt sich nieder. X erscheint ihm bereits fern genug von der Heimat. Doch bald genügt ihm die Entfernung nicht mehr. Manches in X erinnert!ihn noch in lästiger Weise an die alte Heimat. So bricht er wieder auf und zieht noch weiter fort, bis Y. Dort fühlt er sich wohl und behaglich. Jahre vergehen. Krieg bricht aus, und er muß erkennen, zu seinem׳ Leidwesen erkennen, daß er sich in Y nicht halten kann. So beschließt er, nicht etwa zur Heimat, sondern nach X zurückzukehren und daselbst die fatalen Reminiszensen an die Heimat in den Kauf zu nehmen. X ist ihm nicht Etappe zur Heimat, sondern X ist ihm Ziel, ganz wie es ihm einstmals Ziel gewesen. Unterscheidet sich im Verhältnis zur Heimat die Rückkehr nach X vom Auszug nach X? Bernheim: Immerhin ist X näher zur Heimat als Y. Immerhin ist er in X den Reminiszensen an die Heimat ausgesetzt, was in Y nicht der Fall war. Wer weiß — vielleicht rühren eines Tages die Reminiszensen dennoch sein Herz, und die Sehnsucht nach der Heimat erfaßt ihn. Wird die Mutter, die um ihr Kind sich unablässig härmt,, nicht dennoch sich freuen, wenn sie hört, daß ihr Kind nicht mehr im grausam fernen Y, sondern in X weilt, mit Post und Draht erreichbar? Alfred: Herr Doktor, wir werden beide sentimental. Wollen wir nicht zur Sache zurückkehren? Bernheim: Unterschätzen Sie die Bedeutung der Bilder nicht. Wir denken viel mehr in Bildern als in Begriffen. Das Bild hat wenigstens den Schein des Lebens, der Begriff nicht einmal diesen. Alfred: Wer ein Bild entwerfen will, muß erst richtig sehen können. Bernheim: Nun wohl. — Das Motiv des liberalen Vorstands war gewiß nicht lauter. Es war die Angst vor Hirsch und seinem Kreis, in deren Hand nunmehr die Waffe des Austritts lag. Aber die objektive Tatsache, daß nunmehr die Gemeinde, und zwar in immer wachsendem Maße, sich thoragemäße Institutionen angliederte, dergestalt, daß ein thoratreuer Jude in immer größerem Umfange in unserer Gemeinde Befriedigung seiner, namens der Thora geforderten, Ansprüche finden konnte und kann, diese Tatsache müssen Sie sehen und müssen Sie werten. Und selbst was das Motiv betrifft, so ist auch hierin im Laufe der Jahre ein bedeutsamer Fortschritt einge-