Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 60 (sequence 62)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2551369-2551370-2551372--0954-2552459- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
66 treten. Längst ist jener liberale Vorstand zu Grabe gegangen. Die nach ihm kamen, haben keinen Teil mehr an jener Gewaltpolitik, die die Thoratreuen zur Trennung getrieben hat. Nicht mehr die Angst vor Hirsch und seinem Kreis, nicht mehr die Angst vor der Waffe des Austritts, sondern anerkennenswerter Sinn für Gerechtigkeit und Billigkeit bewegt heute die Gemeindeverwaltung und läßt sie gern und ׳willig Institutionen unterhalten, die den thoratreuen Gemeindemitgliedern am Herzen liegen. Die Steuerleistung der thoratreuen Gemeindemitglieder, ausschließlich zur Deckung der Kosten der thoragemäßen Institutionen verwandt, deckt diese Kosten bei weitem nicht. Die Unterhaltung dieser Institutionen ist für die Gemeinde kein gutes — Geschäft. Es gehört schon Idealismus dazu, idealfrohes Bekenntnis zur Pflicht einer jüdischen Gemeinde, ihren thoratreuen Mitgliedern thoragemäße Einrichtungen zur Verfügung zu stellen. Die Besserung seit den Tagen Rabbi Salomo Triers ist wahrlich nicht zu verkennen. Was ursprünglich ein Akt verwaltungstechnischer Klugheit war, ist längst zu einem System geworden, das die Daseinsberechtigung der Orthodoxie und ihren Anspruch auf thoragemäßes Leben anerkennt und die Zwecke der Thora bewußt fördert und unterstützt. Alfred: Ist damit die Gemeinde — thoragemäß geworden? Bernheim: Thoragemäßer als früher ohne Zweifel. Sie bekämpfte früher die Thora, und sie fördert sie jetzt. Alfred: Ist sie damit — thoragemäß geworden? Bernheim: Daß sie es werde, ganz werde, ist der Sinn meines Lebens, Inhalt meiner Amtsführung. Alfred: Ist sie thoragemäß? Bernheim: Nein, Sie harter Mensch, wenn Sie es denn mit aller Gewalt hören wollen: Nein! Alfred: Warum ist sie nicht thoragemäß? Bernheim: Das wissen Sie doch! Weil sie immer noch, neben den thoragemäßen Institutionen, thorawidrige Institutionen hat, thorawidrige Synagogen, thorawidrige Rabbiner, thorawidrige Lehrer, thorawidrige Vorstandsmitglieder. Weil sie immer noch die Thora, als für ihre ganze Verfassung und für ihre ganze Verwaltung ausschließlich maßgebendes Recht, nicht anerkennt. Brauche ich Ihnen noch mehr zu sagen? Sie wissen es bereits, und ich — ich weiß es auch. Alfred: Und der Gemeinde Hirschs stehen Sie völlig fern? Bernheim: Ich bekämpfe sie nicht.