Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 58 (sequence 60)
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56 ihm!nicht zugestimmt hätte. — Aber dann kam etwas Unerwartetes. Der liberale Gemeindevorstand, ehedem den Bitten der thoratreuen Gemeindemitglieder völlig taub, im Besitz des Staatsz.wangs bis dahin sich völlig sicher fühlend, entschloß sich unter dem Druck des neuen Austrittsgesetzes, die Gefahr des Austritts der thoratreuen Mitglieder vor Augen, neben den seit Jahrzehnten einzig vorhandenen thorawidrigen Institutionen auch thoragemäße Institutionen zu schaffen, um damit den Austritt der thoratreuen Mitglieder zu verhindern. Zu diesem Zweck berief er einen thoratreuen Rabbiner. Alfred: Pfui! — Pardon! — Vierzeihen Sie — Bernheim: Sie sagen Pfui. Ich kann’s verstehen. Schön war es wirklich nicht. Aber wie oft wird in der Geschichte aus unlauteren Motiven, den Urhebern völlig unbewußt, Großes und Haltbares geschaffen. Wie oft ist es auch umgekehrt, daß ein Tun aus edelsten Absichten nichts als Unsegen stiftet. Alfred: Drum soll das Volk!der Thora nur nach den Gesetzen der Thora handeln. — Bernheim: Gewiß, gewiß. Aber sind es nicht schließlich doch wieder nur Menschen, die die Gesetze der Thora auslegen und handhaben? Sie werden gleich ein lehrreiches Beispiel dazu bekommen. — Kehren wir zu Ihrem Pfui zurück. — Aeußerlich bedeutete freilich jener Entschluß des liberalen Vorstands nichts anderes, als die Wiederherstellung desselben Zustandes, der Rabbi Salomo Trier zur sofortigen Niederlegung seines Amtes veranlaßt hatte. Aber doch ,eben nur rein äußerlieh. Wenn ein Wanderer einen Weg vorwärts geht, von der Heimat fort, und er macht unterwegs an einer Station half, bricht wieder auf, zieht weiter, immer weiter fort von der Heimat, bis ganz hinaus in trostlose Fremde, wo er viele Jahre verweilt, und dann zwingt ihn die Reue oder das Heimweh oder selbst nur die krasse Not, den Rückweg zur Heimat einzuschlagen, den nämlichen Weg, den er vor vielen Jahren gegangen, nur dieses Mal nicht vorwärts, sondern rückwärts, und er kommt wieder zu jener Station, macht wiederum halt: Roden, der Wanderer steht jetzt ganz genau da, wo er einstmals gestanden — und dennoch ist alles anders. Die nämliche Station ist jetzt eine Station auf dem Heimweg, indes sie einst eine Station auf dem Weg in trostlose Fremde gewesen. Alfred: Das Bild ist schön. Aber ist es auch treffend? Jemand beschließt, die Heimat zu verlassen. Er bricht auf und