Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 50 (sequence 52)
- Belongs to
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50 gleiten und sich zerteilen, um sie durchzulassen. Eine göttliche Heiterkeit umfing sie, und Gesang brach aus ihr wie eine Quelle aus dem Gestein, und sie breitete in einem großen Entzücken die Flügel aus und flog weiter. Sie hatte alle irdischen Maße Vierloren, sie wußte nicht Wo und Wann, sie wußte nur das Wohin und ihr eigenes Ziel. So kam sie zu der zweiten Höhe des ewigen Feuers. Hier erschrak die Seele zum ersten Mal auf ihrem Fluge, denn alle Farben waren im Feuer, helle und dunkle, und aller Farben Widerspiel war in jeder einzelnen Flamme, und jede Flamme war maßlos in ihrer Ausdehnung, und das Feuer bestand aus Flammen ohne Zahl. Der große Brand geschah lautlos wie eine verträumte Bewegung, und nirgends war zu sehen, was brannte, es war ein Feuer ohne Anfang und Ende. Und im Anschaun des Feuers empfand die Seele Angst, sie würde verbrennen und ganz zunichte werden. Da spannte sie alle Kraft an und ließ kein Ermatten in ihren Wunsch fließen, berührte ihre Krone mit ihren Händen und wägte sich weiter und durcheilte die Höhe des Feuers. Aber sie empfand große Schmerzen, ihre Gewänder verbrannten in schwarz rauchender Flamme, ihre Krone schmolz, und ihr Gold ätzte Wunden in ihren Leib, und nur ein schmaler Reif blieb um ihr Haupt, der war wie eine Erinnerung und ein Andenken an ihren großen Wunsch und ihr allertiefstes Begehren. So kam sie zur dritten Höhe des ewigen Glanzes. So wie der Glanz der Sonne den einer Wachskerze übertrifft, so übertrifft der Glanz der dritten Höhe den Glanz der Sonne und aller Gestirne. Die Seele war nackt und bloß, 1ihr Leib war wund, ihre Gewänder verbrannt, ihre Krone zerschmolzen, und nur der schmale Reif der Erinnerung war ihr Leben. Hier war Schweigen und ewige Ruhe, und unermeßliche Einsamkeit. Die Seele sah sich um, da war niemand, der ihr weiter hälf, sie war wie ein verlorenes Kind in einer endlosen Wüste, und taumelnd vor Schwäche des langen Weges tat sie wie abwesend die ersten Schritte. Doch der Glanz war unerbittlich und stach sie wie mit Nadeln, und ihre Wunden brannten, und sie stöhnte vor Schmerz, aber der Laut zerbrach ihr im Munde und ward von dem eisernen Schweigen ringsum aufgesogen, und ihr Schmerz war nur eine lautlose Bewegung ihres;wunden Leibes. In ihrer Qual zerfiel der Reif ihrer Erinnerung!in Nichts, und so verlor sie Ziel, Richtung und Weg, sie hätte keinen Boden unter den Füßen, nirgends einen Halt, an den jsie sich anklammern konnte,