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Nahalat tsevi · 1932-10-01 · Heft 1-2 (Oktober 1932) · p. Seite 51

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
III (5693) 1932/33
Issue
Heft 1-2 (Oktober 1932)
Date
1932-10-01
Page
Seite 51 (sequence 53)
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Si sie wirbelte in einem ungeheueren Sturz ins Bodenlose, gewahrte nichts, empfand nur Sturz, ewigen Sturz, ohne Atem, Licht und Leben, rasende Schnelligkeiten, finsterste Schwärze, Farben, Töne, gewaltige Geräusche, sie verzweifelte, denn nichts hielt sie auf und gab ihr Ruhe, und der Sturz wollte ihr das Leben nehmen, ln der entsetzlichsten Angst tun1 ihr Sein, in der sie zerging, schrie sie ,auf und fand ein Wort der Erinnerung, ein Wort, geboren aus Todesangst und unsäglicher Not: Gnade! Und ward erhört. Die Hände, die eben noch sinnlos um sich1 gegriffen hatten, waren beruhigt, ihr Leib, der sich überschlagen hatte, war gerichtet, sie fühlte sich unendlich geborgen und aufgehalten, und zugleich barg sie selbst etwas, das wie ein zartes Wissen in ihr zitterte, sie sei gerettet. Sie war aufwärts gestürzt in ’den ewigen Glanz, sie war in der Nähe des göttlichen Thrones, ihr Leib war heil geworden, ihre Gewänder umflossen sie in breiter Fülle, ihre Krone strahlte ,wieder in hellem Schein, aber auf ihrer Stirn lag der Schein der gewährten Gnade. Sie ging, aber es war kein Gehen der Bewegung. Sie spürte, aber es war keine Fremdheit zwischen Innen und Außen, sie zerfloß und strömte aus und blieb doch eigen, und neue Kräfte strömten in sie ein, und sie gelangte zu ihrer höchsten Kraft und Entfaltung. Eine ungeheure Bewegung umfing sie wie eine Zärtlichkeit, sie erfuhr ,große Süße und unsägliche Lust. Da begann sie ihr Wort zu sagen, ihre Melodie zu singen, sich in ihre Gewänder zu schmiegen und ihren Tanz zu tanzen. Und alles war so, wie sie erhofft hätte: Ihr Wort hatte jeden Sinn und jede Bedeutung des Dankes und Lobes, ihre Melodie strömte über von allem Wohllaut und jeder Harmonie, ihre Gewänder waren satt von allen Farben, und die Schönheit der ganzen Welt war auf sie gebreitet, und ihr Tanz war erfüllt von jeder Form und Gestaltung. Und bei dem Lobpreis war Gesang, und bei dem Gesang war ein Ausbreiten, und bei dem Ausbreiten war Tanz, so daß aller Dank ineinanderströmte, und in jeder Bewegung der Seele alle Erscheinungen der Welt gesammelt waren und Gott geboten wurden. Und mit jedem Schwung, den sie tat, verband die Seele Oben und Unten. Ihr Weinen war wie ein Lächeln, und ihr Lächeln war wie ein Weinen, und ihre Lust war so stark wie ein Schmerz, der ihr Leben zerstörte. Bei diesem Preis der menschlichen Seele erzitterten alle Himmel und die drei Höhen der ewigen

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