Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 48 (sequence 50)
- Belongs to
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48 nicht, und der Aufschwung blieb ihm versagt, und seine Seele empfand ein schmerzliches Ungenügen, und er wurde von Trauer erfüllt. Und wollte er auch die Worte sprengen mit der Kraft seines Wunsches, sie waren stark und ließen ihn nicht ein. Er wandte sich allen Dingen zu, die ihm früher Freude gaben, wollte sie mit Herz und Händen fassen und sich an ihnen emporschwingen, so wie er früher getan, aber kaum hatte er sich ihnen zugewandt, so dünkten sie ihm schal und nichtig, und fern von dem, was er als brennendes Begehren ,in sich spürte. Da verließ er sie, wie sie ihn jetzt verlassen hatten. Er sprach zu einigen wenigen Menschen, aber die verstanden ihn und seine Not nicht und zeigten ihm einen Weg zu Qott, der war sehr lang und schwer zu gehen. Aber seine Seele schrie nach ihrem Brot und wollte nicht warten und sich gedulden. Und wie der Mensch sie auch bat, sich zu bescheiden, bis sie reicher wäre an Taten, Erkenntnissen und Gefühlen und so reif wäre und würdig für die Nähe!des Aufschwungs, wie er sie auch warnte vor der Gefahr der Einsamkeit und der furchtbaren Majestät, die Seele ließ sich nicht halten und bestand auf ihrem Wunsche, und ihr Ruf wair wie ein Schrei und wie ein lechzender Durst, der ihn ständig erfüllte. So blieb er allein, seine Seele mahnte ihn, er solle ihr zu Gott helfen, und ihr Durst nach dem Einzig-Unendlichen quälte ihn so sehr, daß er sich keinen Rat wußte. Alles, was er tat oder dachte, war mit einer seitslamen Trauer erfüllt, weil er nicht erreichte, wonach seine Seele so sehr verlangte. So verging einige Zeit, und der Wunsch in ihm wuchs ständig,!sich emporzuschwingen und von der unendlichen Süße des Einzigen durchdrungen zu werden mit der stärksten Durchdringung und erfüllt zu werden mit der größten Erfüllung. Es geschah, daß die Seele sich ausmalte, was sie wohl täte, wenn sie Erhörung fände bei dem Endlosen, wenn ihr Dank und ihr Lobpreis angenommen würde; sie erdachte Worte, die hatten allen Sinn und jede Bedeutung des Dankes und Lobes, sie erfand Melodien, die strömten über Von Wohllaut und Harmonie, sie hüllte sich in Gewänder, die waren von allen Farben satt, und die Schönheit der ganzen Welt lag auf ihnen, sie bewegte sich in Tänzen, die waren erfüllt von jeder Form und Gestaltung. Und je größer der Wunsch der Seele nach Gott wurde, desto gewaltiger wurde ihr Wort, desto strömender ihre Melodie, desto prächtiger ihr Gewand und desto heißer und begeisterter ihre Schwingung im Tanz. Es