Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 46 (sequence 48)
- Belongs to
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46 können. Warum die gesetzestreuen Großen der Emanzipationszeit keine Schritte zur legalen Abwendung der Wehrpflicht getan? Weil sie hierzu gar keine Möglichkeit hatten. Von S. R. Hirsch wissen wir es aus seinen ״Ersten und Zweiten Mitteilungen aus einem Briefwechsel“ positiv, daß er nicht der Meinung war, auf Grund der Dina demalchuthä dürfe ein ״jüdischer Tambour am Sabbath seine Knöpfe putzen“, ln genanntem Israelitartikel ist der Behinderungsgrund der damaligen Autoritäten noch näher geschildert /וד, — und so kann man nur das damals Gesagte eindringlichst wiederholen: Wollen wir den נדבי עמים, den Edelsten der Völker unsere Treue beweisen, so sei es durch eifrige pazifistische Arbeit. B. Betreffs des Sozialismus meint Herr W. etwa, — und das sei im Wesentlichen unbestritten: Nicht die ewig gültige religiöse Gesetzgebung, sondern die nationalökonomische Wissenschaft habe die Aufgabe, über die Wirtschaftsform eines Landes und Zeitalters zu entscheiden, — und bei aller Betonung sozialer Ethik und des ״Oberbesitzes“ Gottes sei doch nichts ,aus der Thora zu ersehen, was die freie Wirtschaftliehe Betätigung des Einzelnen verneint. Die heutige Situation ist jedoch die, daß mit Ausnahme der Gegen-Interessenten und Urteilslosen alle, die sich irgendwo in der Welt dem Gemeinwohl widmen, darin einig sind, daß mit dem Hochkapitalismus tel quel nicht weiterregiert und nur durch einen ganz merklichen Ruck ins Soziale die Welt vor Verelendung errettet werden kann.* Dabei ist gar nicht einzusehen, weshalb wir gesetzestreuen Juden aus Scheu vor dem Volksschlagwort, das uns Juden für die Gründung und Entfaltung des Sozialismus mitsamt seinen Entartungen verantwortlich macht, nun plötzlich zu Befürwortern des kapitalistischen Systems werden sollen, das von Reformjuden und Halbmarannen seit Isaac Pinto aufgebracht wurde, — oder gar des konservativ ״christlichen Staats“, dessen geistiger Urheber der Renegat Jul. Stahl gewesen ist. So unähnlich dem kommunistisehen System das Rechtswesen der Thora ist, — dem kapitaliistischen steht es noch viel feindseliger entgegen. Und’ wer dem jüdischen Gesetzesbefolgerstamm, der als erster die sozialen Ideen der Welt gebracht, den widernatürlichen Vaterbekämpfungstrieb seines entarteten Geisteskindes, des heuti- * Man erinnere sich doch, wie unwillig S. R. Hirsch das Eintreten B. Gedalja Tiktins für den Konservatismus in der Politik aufnahm.