Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- III (5693) 1932/33
- Issue
- Heft 1-2 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
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35 muß man sagen, daß die englische Judenheit noch sehr jung ist. (Es sind ja erst 270 Jahre vergangen, seitdem in den Tagen des Königs Karl II. die Juden wieder zugelassen wurden). Immerhin muß man mit einem Gefühl der Befriedigung feststellen, daß das Leben!in der Gemeinde eine festere Form angenommen hat. Das ständige Auf und Ab in der stürmischen See des religiösen Lebens hat sich etwas konsolidiert und die Vorbereitungen für eine stolze Ausfahrt des Religionsschiffes sind fast beendet. Die gegenwärtige Lage der englisch-jüdischen Orthodoxie kann am besten durch eine Tatsache aus der jüngsten Zeit illustriert werden. Einer!der bedeutendsten Lehrer am Jewish College, London, der Ausbildungsstätte für jüdische Beamte, hatte in einer Provinzstadt gelegentlich der Einweihung einer Bene-Berith-Loge eine öffentliche Ansprache zu halten. Mit Bezugnahme auf den wohltätigen Einfluß dieser Einrichtung behauptete der Vortragende, daß der Orden Bene Berith die einzige Möglichkeit ist, moderne zivilisierte Juden in orthodoxe Juden zu verwandeln. Zum Beweis führte er eine Reihe von deutschen Rabbinern an, die eine führende Stelle in der Loge einnehmen; in der Diskussion jedoch bestritt der Schreiber dieser Zeilen diese Behauptung mit dem Nachweis, daß die deutschen Rabbiner, die jener als Führer der Bewegung kennzeichnete, sämtlich Reformrabbiner seien. In der Erwiderung Sagte der Redner, daß die Rabbiner, die in Deutschland als Reformer gelten, in England noch als gut orthodoxe Rabbiner betrachtet werden müßten. Diese Worte, gesprochen von einem Erzieher, einem geistigen Führer der englischen Judenheit, beweist zweifellos, daß der Stand der Orthödoxie in England als tiefer stehend betrachtet werden muß im Vergleich zu dem in Deutschland. Der eiste Schritt in der Richtung zu einer wahren hebräisehen Kultur wurde vor 29 Jahren mit der Errichtung der Jeschiwo Ez Chajim in London gemacht, welche während der kurzen Periode ihres Daseins 13 Rabbiner, 35 Prediger und 22 Lehrer ausgebildet hat, die nunmehr geistige Führer der Gemeinden in Großbritannien und den Dominien sind. Sie hat gleichfalls eine beträchtliche Zahl von Laien mit gründlicher Kenntnis der Thora ausgestattet, eine Gruppe von Bale Batim, die schmerzlich bisher in England vermißt wurde. Während es früher keine Einrichtung in der ganzen Gegend gab, an der